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Sechster Nahostkrieg - Druckversion

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RE: Sechster Nahostkrieg - Broensen - 14.03.2026

(14.03.2026, 03:46)Kongo Erich schrieb: Wenn sich die US-Regierung mit einer symbolischen Besetzung von Kharg zufrieden gibt ... ist dann zwar immer noch fraglich, ob der Iran Gas- und Öltransporte durch die Straße von Hormus zulässt, wenn er nicht auch selbst seine Förderung exportieren kann
Nach einer Besetzung von Charg würde der Iran ja exportieren können, nur halt unter lukrativer Beteiligung von US-Firmen. Das könnte ja genau der Deal sein, um die Straße nach Ende der US-Angriffe wieder frei zu bekommen.


RE: Sechster Nahostkrieg - Quintus Fabius - 14.03.2026

Hab noch was gefunden, was der Grund für den massiven (!) Einsatz von Glyphosphat gerade im Libanon sein könnte:

Nämlich eine Vorbereitung auf eine in Kürze stattfindende Bodenoffensive:

https://www.axios.com/2026/03/14/israel-lebanon-ground-invasion-hezbollah

Denn die Skalierung der Ausbringung von Breitbandherbiziden einschließlich Vernichtung der Lebensgrundlagen der Bevölkerung dort geht weit über bloße Sicherungsmaßnahmen hinaus. Wenn man hingegen davon ausgeht, dass die Israelis nun eine große Bodenoffensive starten, macht die Sache sofort Sinn.

In diesem Kontext äußern übrigens israelische Soldaten regelmäßig, dass man jetzt den Libanon oder zumindest den Südlibanon gazaisieren wird.

https://www.spiegel.de/ausland/hisbollah-israel-plant-offenbar-die-groesste-invasion-in-den-libanon-seit-2006-a-d3458d8a-3f3d-4123-989c-493bc64a70ad

Zitat:Die Armee soll demnach alle Gebiete südlich des Litani-Flusses besetzen, um jegliche Infrastruktur der schiitischen Hisbollah-Miliz zu zerstören. Ein israelischer Militär sagte demnach: »Wir werden im Libanon machen, was wir in Gaza gemacht haben«.

»Die libanesische Regierung und der libanesische Staat werden einen immer höheren Preis in Form von Schäden an der Infrastruktur zahlen, die von Hisbollah-Terroristen« für Angriffe auf Israel genutzt werde, sagte Verteidigungsminister Israel Katz. Sollte die Regierung in Beirut ihrer Verpflichtung zur Entwaffnung der Hisbollah nicht nachkommen, werde Israel auch die Kontrolle über libanesische Gebiete übernehmen, sagte er weiter.

Die libanesische Regierung hat aber gar nicht die Mittel die Hisbollah zu entwaffnen. Um es also mal richtig zusammen zu fassen: Man stellt unerfüllbare Forderungen und weil diese nicht erfüllt werden, hat man damit das Recht libanesisches Gebiet zu besetzen.

Zitat:Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu richtete eine scharfe Warnung an die libanesische Regierung. Wenn diese die Hisbollah nicht entwaffne, »werden wir es machen«, sagte er. Zum Kriegsverlauf sagte Netanyahu, sein Land und die USA seien dabei, Iran und die mit ihm verbündete Hisbollah zu »zermalmen«. Der libanesische Präsident Joseph Aoun erklärte, er habe Israel vorgeschlagen, internationale Vermittler zur Herbeiführung eines Endes der Kämpfe hinzuzuziehen. Israel habe darauf bisher nicht reagiert.



RE: Sechster Nahostkrieg - Nightwatch - 14.03.2026

Ich sage nicht das keine Bodenoffensive kommen wird, aber Barak Ravid von Axios muss man mit der Kneifzange anfassen. Der produziert alle Nase lang irgendwelche Scoops, die nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Ich hab jetzt auf die Schnelle auch nichts zu neuerlichen Einsätzen von Glyphosat im Libanon gefunden. Erst recht nichts irgendwie massives. Grundsätzlich ist es halt eine Tatsache, dass die Hezbollah den sehr ausgedehnten Bewuchs in der israelisch-libanesischen Grenzregion extensiv genutzt hat um ihre Aktivitäten zu verschleiern. Das man da seitens der Israels auf den Trichter kommt eine möglichst breite freie Zone zu schaffen ist nur logisch.

Ansonsten, die Drohung mit einer Offensive steht langem im Raum und fungierte als Druckmittel um die Libanesische Armee zur Entwaffnung der Hezbollah zu zwingen. Nachdem diese dem nicht nachkommen will (und wenigstens in Teilen auch nicht kann) wird es irgendwann Konsequenzen geben.
Das ist dann sehr unschön für den Libanon (unterieben formuliert), aber Israel muss halt nicht hinnehmen, dass die Kameraden da laufen Stress machen und hat jedes Recht, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Praktisch denke ich, dass außer einem übersichtlichen Vorrücken in der unmittelbaren Grenzregion nicht viel passieren wird. Ein Vernichtungszug zum Litani oder dergleichen sehe ich nicht.


RE: Sechster Nahostkrieg - voyageur - 14.03.2026

(14.03.2026, 18:43)Nightwatch schrieb: Ich hab jetzt auf die Schnelle auch nichts zu neuerlichen Einsätzen von Glyphosat im Libanon gefunden. Erst recht nichts irgendwie massives. Grundsätzlich ist es halt eine Tatsache, dass die Hezbollah den sehr ausgedehnten Bewuchs in der israelisch-libanesischen Grenzregion extensiv genutzt hat um ihre Aktivitäten zu verschleiern. Das man da seitens der Israels auf den Trichter kommt eine möglichst breite freie Zone zu schaffen ist nur logisch.

mehr infos hier
https://www.forum-sicherheitspolitik.org/showthread.php?tid=1882&pid=284125#pid284125


RE: Sechster Nahostkrieg - Nightwatch - 14.03.2026

Ja eben, Anfang Februar.


RE: Sechster Nahostkrieg - Quintus Fabius - 14.03.2026

Zitat:Ein Vernichtungszug zum Litani oder dergleichen sehe ich nicht.

Ich bin gespannt.

Es würde strategisch tatsächlich Sinn machen bis zum Litani vorzustoßen und den Südlibanon einfach zu besetzen. Wie siehst du das?


RE: Sechster Nahostkrieg - Broensen - 14.03.2026

(14.03.2026, 19:25)Quintus Fabius schrieb: Es würde strategisch tatsächlich Sinn machen bis zum Litani vorzustoßen und den Südlibanon einfach zu besetzen.
Golan 2.0


RE: Sechster Nahostkrieg - Kongo Erich - 14.03.2026

Gelöscht da persönlich - QF

Israel plant offenbar die größte Bodenoffensive im Libanon seit 2006
Zitat:»Werden im Libanon machen, was wir in Gaza gemacht haben«: Israel bereitet sich wohl auf eine Eskalation des Kriegs gegen die Hisbollah vor.



RE: Sechster Nahostkrieg - Kos - 14.03.2026

Die Hisbollah greift Israel permanent an. Israel hat das Recht sich zu wehren und es wird Zeit, dass dem Libanon mit ernsten Konsequenzen gedroht wird, falls das nicht aufhört.

Dazu gehört insbesondere der Verlust von Staatsgebiet im Südlibanon. Dieses wird dann permanent zur Pufferzone und wenn 20km nicht reichen dann halt 50km.


RE: Sechster Nahostkrieg - Nightwatch - 14.03.2026

(14.03.2026, 19:25)Quintus Fabius schrieb: Ich bin gespannt.

Es würde strategisch tatsächlich Sinn machen bis zum Litani vorzustoßen und den Südlibanon einfach zu besetzen. Wie siehst du das?
Ich sehe nicht was man mit einer Besatzung groß erreichen könnte außer sich jede Menge Ärger einzuhandeln.
Die Bedrohung durch die Hezbollah heute ist nach dem dritten Libanonkrieg weniger die Präsenz der Truppe im Südlibanon als der (sporadische) Beschuss durch Raketen. Die können aber auch tiefer aus dem Libanon auf Israel abgefeuert werden.
Würde man nun eine dauerhafte Pufferzone schaffen wollen hieße dies eine vorgeschobene Militärpräsenz tief im Libanesischen Gebiet. Damit würde man der Hezbollah doch nur neues Leben einhauchen; es würde denen taktisch wie politisch leicht fallen aus dem besetzten Teil Libanons den Krieg gegen die Besatzer fortzuführen und fortwährend Verluste zu erzeugen. Israel müsste reagieren und die logische Konsequenz wäre, dass man irgendwann auf Beirut marschieren muss. Ist das den Ärger den man sich einhandelt wert?
Ich hielte es für sinnvoller die momentane strategische Situation mit dem Libanon nicht grundlegend zu verändern. So schlecht ist die für Israel nicht und es bestehen alle Chancen, die Hezbollah weiter zu Schwächen wenn jetzt der Iran als Support dauerhaft wegfällt.

Was man freilich machen kann sind Aufräumaktionen in der unmittelbaren bis meinetwegen mittelbaren Grenzregion. Es wird dort sicherlich auch nach dem dritten Libanonkrieg noch einiges an Infrastruktur der Hezbollah existieren. Es würde sicherlich nicht schaden da mal ordentlich durchzukehren, nachdem die halbe Armee nicht wie beim letzten Mal in Gaza steht.
Von mir aus zerstört man dann auch die Grenznahen Wehrdörfer der Hezbollah. Aber darüber hinaus? Sicherlich wäre es rein militärisch betrachtet die einfachste Lösung die Bevölkerung südlich des Litanis nach Norden zu treiben und das Gebiet auf links zu drehen. Aber das ist 2026 keine realistische Option. Besatzung sehe ich jenseits der strategischen Fragwürdigkeit auch politisch nicht, die israelische Politik hatte schon keine Lust das in Gaza zu versuchen, da wird man sich auch keinem Rerun 1982 – 2000 hingeben.
Man könnte natürlich irgendein politisches Spielchen versuchen und sich das Gebiet als Fauspfand aneignen um die Libanesen zu zwingen die Hezbollah zu entwaffen. Das wird dann aber auch nicht vollumfänglich geschehen und dann sitzt man auf dem Territorium. Wahrscheinlicher vielleicht noch, dass sie ähnlich wie in Syrien eine Grenznahe Anhöhen dauerhafter übernehmen wollen. Das liese sich einfacher verkaufen als eine dauerhafte Besetzung des Gebiets hoch bis Tyros.


RE: Sechster Nahostkrieg - Kongo Erich - 14.03.2026

(14.03.2026, 20:05)Kos schrieb: Die Hisbollah greift Israel permanent an. Israel hat das Recht sich zu wehren und es wird Zeit, dass dem Libanon mit ernsten Konsequenzen gedroht wird, falls das nicht aufhört.

Dazu gehört insbesondere der Verlust von Staatsgebiet im Südlibanon. Dieses wird dann permanent zur Pufferzone und wenn 20km nicht reichen dann halt 50km.
Die Geschichte des modernen Israels ist eine ununterbrochene Kette von Vertreibungen. Das soll also weiter geführt werden?


RE: Sechster Nahostkrieg - Kos - 14.03.2026

(14.03.2026, 21:20)Kongo Erich schrieb: Die Geschichte des modernen Israels ist eine ununterbrochene Kette von Vertreibungen. Das soll also weiter geführt werden?
Falsch, die Geschichte des modernen Israels ist eine ununterbrochene Kette von Selbstverteidigung. Die Israelis wurden in ihrer Geschichte permanent von ihren Nachbarn mit Krieg überzogen und haben sich gewehrt.

Die aktuellen Kriege gegen den Iran und den Libanon werden wegen den Angriffen aus diesen Ländern geführt. Dabei sollte man bedenken, dass die Feindschaft des Iran zu 100% nur vom Iran ausging und der aktuelle Konflikt von Israel mit dem Libanon bzw. der Hisbollah damit auch zu 100% auf die Kappe des Iran geht.

Der Libanon muss von der Pest Hisbollah befreit werden. Mittlerweile sehen das immer mehr Parteien im Nahen Osten so.
Zitat:Die libanesische Regierung hat die militärischen Aktivitäten der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz für illegal erklärt.
...
Damit verändert sich der Status der Gruppe von einer teilweise geduldeten Widerstandsbewegung zu einer verbotenen Organisation.
Quelle

Zitat:Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa hatte zuvor angekündigt, den Libanon bei der Entwaffnung der proiranischen Terrorgruppe zu unterstützen. Al-Scharaa zeigte bei einem Treffen mit EU-Vertretern demnach seine volle Unterstützung für "die ernsthaften und entschlossenen Schritte, die die Regierungen des Irak und des Libanon unternommen haben, um ihre Nationen vor der anhaltenden Gewalt zu schützen."
Quele


RE: Sechster Nahostkrieg - Quintus Fabius - 14.03.2026

Nun setzen sich also die heimlichen IS Apologeten in Syrien für die Sicherheit Israels ein, während sie zugleich die IS Kämpfer aus den Gefängnissen fliehen lassen. Wundervoll.

Wird nur noch übertroffen von der scharfen Kritik der Hamas am Iran, und der Aufforderung der Hamas (!) an den Iran die Angriffe auf die arabischen Brüder einzustellen.


RE: Sechster Nahostkrieg - lime - 15.03.2026

(14.03.2026, 22:53)Quintus Fabius schrieb: Nun setzen sich also die heimlichen IS Apologeten in Syrien für die Sicherheit Israels ein, während sie zugleich die IS Kämpfer aus den Gefängnissen fliehen lassen. Wundervoll.

Wird nur noch übertroffen von der scharfen Kritik der Hamas am Iran, und der Aufforderung der Hamas (!) an den Iran die Angriffe auf die arabischen Brüder einzustellen.

Hat der IS denn jemals Israel angegriffen?


RE: Sechster Nahostkrieg - Quintus Fabius - 15.03.2026

De facto ja, weil IS Kämpfer sowohl in Gaza als auch im Westjordanland aktiv waren. Aber schlussendlich ist die eigentliche Antwort auf deine Frage: konnte der IS denn bisher Israel überhaupt richtig angreifen?! Ob jemand etwas getan hat, liegt schlussendlich an der Frage der Möglichkeit, also ob er es überhaupt hätte tun können.