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Normale Version: Michelangelo Dome von Leonardo
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Leonardo steigt mit „Michelangelo Dome” in den Kampf um Luftabwehrsysteme ein
OPEXnews (französisch)
Pierre SAUVETON
27. November 2025

Leonardo präsentiert keine neue Rakete, sondern ein Tool, das die Zusammenarbeit aller anderen Systeme ermöglichen soll. Mit seinem Projekt Michelangelo Dome präsentiert der italienische Konzern ein softwarebasiertes Luftabwehrsystem: eine KI-Komponente, die Radarsysteme, Boden-Luft-Batterien, Drohnen und Kommandozentralen auf Basis bestehender NATO-Standards miteinander verbindet.

Die Herausforderung ist einfach: Heute stapelt jedes Land verschiedene Systeme, die von Industrieunternehmen und manchmal konkurrierenden Ländern gekauft wurden. Mit der European Sky Shield Initiative (ESSI) hat Deutschland die Führung eines Luftabwehrschildes übernommen, der größtenteils auf amerikanischer und israelischer Ausrüstung (Patriot, Arrow 3) basiert, zu der noch die deutschen Iris-T hinzukommen. Mehr als zwanzig Länder sind diesem Beispiel gefolgt. Andere, wie Frankreich und Italien, sind außen vor geblieben, da sie Bedenken hinsichtlich eines Systems haben, das stark von nicht-europäischen Technologien abhängig ist und kaum mit dem Diskurs über Souveränität vereinbar ist.

Hier kommt Michelangelo Dome ins Spiel. Leonardo schlägt nicht vor, die bestehenden Systeme zu ersetzen, sondern sie miteinander zu vernetzen: Patriot, SAMP/T, zukünftige Langstreckenraketen oder Mittel der elektronischen Kriegsführung in ein einziges Kommandosystem zu integrieren, ohne ein schlüsselfertiges „Paket” aufzuzwingen. Für die Staaten, die sich bereits an Sky Shield beteiligen, ist dies eine Möglichkeit, mehr Kohärenz zu erreichen. Für diejenigen, die eine europäischere Alternative wünschen, ist dies eine Option.

Industriell bestätigt Leonardo seinen Kurswechsel: weniger Stahl, mehr Code, Daten und KI. Der Konzern versucht, sich als Multi-Domain-Integrator und nicht nur als einfacher Ausrüstungslieferant zu positionieren. Wenn die ersten Verträge ab 2026 abgeschlossen werden und das System bis zum Ende des Jahrzehnts hält, was es verspricht, könnte Michelangelo Dome zu einem wichtigen Meilenstein werden: dem eines Europas der Verteidigung, das endlich beginnt, die Luftverteidigung als ein echtes System von Systemen zu behandeln und nicht als eine Aneinanderreihung nationaler Programme.
Foto © Reuters – Benoit Tessier