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Normale Version: Die Brigade Scorpion
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Zitat:Sammelthread für das Programme Scorpion, betrifft auch CaMo (Capacite Motorisé)

Ziel des SCORPION-Programms ist es, ein skalierbares und flexibles taktisches Kampfsystem zu schaffen, das in der Lage ist, alle aktuellen und zukünftigen operativen Aufgaben der französischen Armee zu erfüllen.
EMA (französisch)

Brigade (Typen)
Die französische Armée verfügt über drei verschiedene Typen von Brigaden

légère (Leichte Brigade) Fallschirmjäger und Gebirgsjäger
médiane (Mittlere Briage) Motoriserte Infanterie
lourde (schwere Brigade) Panzer (?Grenadiere)


Präsentation
Es umfasst derzeit sechs Operationen:
* drei neue gepanzerte Fahrzeuge (GRIFFON, JAGUAR und SERVAL),
* die Renovierung des Panzers LECLERC,
* das Informationssystem SICS
* das System für die Einsatzbereitschaft.
Das am 13. Juli 2018 verabschiedete Gesetz zur Militärplanung 2019-2025 sieht eine Beschleunigung des SCORPION-Programms vor: 50 % der neuen mittelschweren gepanzerten Fahrzeuge sollen bis 2025 ausgeliefert werden.

Zitat:"Wir sind jetzt in die SCORPION-Ära eingetreten". Wie der Generalstabschef des französischen Heeres, General Jean-Pierre Bosser, erläuterte, ist die Ausrüstung des Heeres entschlossen auf die Realisierung des SCORPION-Programms ausgerichtet (erste verlegbare GTIA im Jahr 2021, dann erste Brigade im Jahr 2023).

Ziel dieses Projekts ist die Modernisierung der mittleren Kampffähigkeiten des Gefechtsverbands durch die Erneuerung bestimmter Ausrüstungen, die Entwicklung anderer Ausrüstungen und die Verbesserung der Führung mit Hilfe neuer Informationsmittel.

SCORPION ist das Rüstungsprogramm, das es dem Heer ermöglichen wird, seine operative Überlegenheit zu erhalten. Es zielt darauf ab, die Kampffähigkeiten des Heeres auf der Grundlage neuer Plattformen und eines einzigartigen Kampfinformationssystems zu erneuern und zu modernisieren:

Neue gepanzerte Fahrzeuge:
GRIFFON,
JAGUAR,
SERVAL
Ein neues Informationssystem:
SICS
Modernisierung der Ausrüstung:
LECLERC-Tank
Ausbildung der Streitkräfte:
System der Einsatzvorbereitung
Das neue SCORPION-Kampfinformationssystem (SICS) wird das Informations- und Führungssystem vom Kampffahrzeug bis zum Regiment. Es ermöglicht den automatischen Austausch von Daten und Alarmen bis zur Ebene des Gruppenführers und optimiert die Anforderungen an die Feuerunterstützung dank seiner nativen Interoperabilität mit dem erneuerten ATLAS.

Die Ziele des SCORPION-Programms sind :

1872 GRIFFON Panzerfahrzeuge,
978 SERVAL,
300 gepanzerte Fahrzeuge JAGUAR
200 renovierte Leclerc-Tanks.
50 % der neuen mittelschweren gepanzerten Fahrzeuge sollen bis 2025 ausgeliefert werden.
Die 3 Kerne von SCORPION
[Bild: image-plaquette-scorpion-2018_article_pl...olonne.jpg]
Grundsätze
Optimierung der mittleren Kampffähigkeiten der GTIA im direkten Kontakt mit dem Gegner: Verbesserung des Schutzes, der Mobilität, der Autonomie und der taktischen Beweglichkeit, die zur operativen Wirksamkeit beitragen, Optimierung der Einsatzbereitschaft;
Erneuerung der großen Kampfflugzeuge der GTIA, indem ein Höchstmaß an Gemeinsamkeiten zwischen VBMR und EBRC angestrebt wird (Kontrolle der Wartungskosten im Betriebszustand im Laufe der Zeit), wobei die Kapazitäten des LECLERC-Tanks erhalten bleiben;
Gewährleistung der Kohärenz der GTIA-Fähigkeiten durch die Zusammenführung von Plattformen und Kampfflugzeugen in einem einzigen Informations- und Kommunikationssystem (SICS): sofortiger Informationsaustausch, kooperativer Kampf (Beschleunigung der Kampfhandlungen) und Optimierung der Einsatzvorbereitung (On-Board-Simulation); Gewährleistung eines optimierten Unterstützungssystems durch die Entwicklung modularer Systeme (Kit-Ansatz) zur Verringerung des logistischen Aufwands in den Einsatzgebieten
Zitat:Das neue SCORPION-Kampfinformationssystem (SICS) wird das Informations- und Führungssystem vom Kampffahrzeug bis zum Regiment. Es ermöglicht den automatischen Austausch von Daten und Alarmen bis zur Ebene des Gruppenführers und optimiert die Anforderungen an die Feuerunterstützung dank seiner nativen Interoperabilität mit dem erneuerten ATLAS.

Wird in Frankreich diesbezüglich eigentlich die Problemstellung diskutiert, dass exakt diese technologische Neuerung dazu führt, dass die Führungsfähigkeit schlechter werden kann und dass man von viel zu weit oben nach viel zu weit unten führt, einfach weil man es kann und glaubt es wäre notwendig - so dass man Ende statt dem strategischen Unteroffizier eben den taktischen Colonel hat ?!

Werden Reboundphänomene welche sich aus dieser Technologie ergeben berücksichtigt oder hat man solche überhaupt auf dem Schirm? In Deutschland fehlt meiner Kenntnis nach jede Diskussion darüber, wie sieht das in Frankreich aus?
Das Konzept auf Zugführerebene ist 300 Meter in 3D. Der Zug ist also, auf 300 Meter "Breite" aufgestellt, bekämpft den Gegner in 300 Meter "Tiefe" , und kümmert sich um alles was fliegt bis zu einer Höhe von 300 Metern.
Vor alllem für die "Höhe" müssen noch die Mittel kommen, waffenmässig fehlt hier noch vieles.
Schon der Kompaniechef hat da was zu tun um die Übersicht zu behalten, also der Colonel !! Die Gefahr sehe ich nicht.
Und ziehe in Deine Überlegungen das Frankreich auf Groupements Tactiques InterArmee hinarbeitet, ähnlich wie die Kampfgruppen Ende 2 WK. Infanterie, mit leichten Panzern wie der Jaguar, Pioniere, etc
Hier wird noch viel "geübt" ausprobiert, es kommen ja die Bodendrohnen und Aufklärungsdrohnen noch hinzu (Section Vulcain) , und die Drohnenabwehr an der ja gerade gearbeitet wid.

Es gibt einen Grundsatzartikel (auch in englsich) in der Revue Fantassin, ab Seite 10
Fantassin französisch/Englisch
Versteh ich das richtig: Ein Colonel führt eine Kompanie? Meine Aussage war im übrigen eher allgemein, ich hätte auch General schreiben können. Es geht mir nicht so sehr um die exakte Bezeichnung, sondern um das allgemeine Prinzip. Meine Befürchtung ist, dass für höhere Führungsebenen die taktische Ebene eine zu große Bedeutung erlangt und weil diese quantiativ umfangreicher ist, gerade deshalb die Führung in anderen Bereichen verhindert wird.

Und meine Befürchtung ist, dass dies in Frankreich genau so der Fall sein wird wie anderswo und du schreibst es sogar selbst:

Zitat:Das Konzept auf Zugführerebene ist 300 Meter in 3D. Der Zug ist also, auf 300 Meter "Breite" aufgestellt, bekämpft den Gegner in 300 Meter "Tiefe" , und kümmert sich um alles was fliegt bis zu einer Höhe von 300 Metern.
Vor alllem für die "Höhe" müssen noch die Mittel kommen, waffenmässig fehlt hier noch vieles.
Schon der Kompaniechef hat da was zu tun um die Übersicht zu behalten

Gerade das meinte ich: gerade weil es so komplex und dynamisch ist, und gerade weil die Technologie diese ganze Komplexität und Dynamik tatsächlich erfassbar, darstellbar und greifbar macht, gerade deshalb besteht die Gefahr sich von zu weit oben zu weit unten in taktischen Fragen zu verlieren. Ein Reboundphänomen mit welchem die Kampfkraft gemindert wird weil die Führung wo früher nur der Nebel des Krieges war jetzt Durchsicht hat und diese Durchsicht aber wiederum dazu führt, dass die Führung sich in Nebensächlichkeiten verliert und zu viel Mikromanagement betreibt.

Meiner Meinung nach ist die Gefahr des Mikromanagement als unerwünschte Folge dieser technologischen Durchbrüche erheblich und stellt ein wesentliches militärisches Problem im modernen Krieg dar. Deshalb sehe ich hier genau diese Gefahr sehr wohl.

Zitat:Es gibt einen Grundsatzartikel (auch in englsich) in der Revue Fantassin, ab Seite 10

Vielen Dank !! Das ist ja mal eine wirklich wertvolle herausragende Quelle, insbesondere wegen des englischen Zusatztextes. Kannte ich gar nicht.
Zitat:Gerade das meinte ich: gerade weil es so komplex und dynamisch ist, und gerade weil die Technologie diese ganze Komplexität und Dynamik tatsächlich erfassbar, darstellbar und greifbar macht, gerade deshalb besteht die Gefahr sich von zu weit oben zu weit unten in taktischen Fragen zu verlieren. Ein Reboundphänomen mit welchem die Kampfkraft gemindert wird weil die Führung wo früher nur der Nebel des Krieges war jetzt Durchsicht hat und diese Durchsicht aber wiederum dazu führt, dass die Führung sich in Nebensächlichkeiten verliert und zu viel Mikromanagement betreibt.

Ok langsam verstehe ich was Du meinst. Es ist Dein grundsätzliches Misstrauen in die deutschen Führungskapazitäten. Für Deutschland kann ich es nicht beurteilen; für Frankreich teile ich nicht Deine Meinung.
Um einen gute Offizier auszubilden, werden gute Unteroffiziere und Mannschaftsgrade gebraucht, eine Armee die nicht seine Zeit in der Garnison verbringt und eine RH Verwaltung die auf Verdienste und nicht auf Abstammung achtet. In Frankreich war das nicht immer so, aber seit einigen Jahren, eher einige (wenige) Jahrzehnte hat sich das geändert. (siehe Lebensläufe einiger Genralstabsoffizere, die ich vor einiger Zeit veröffentlicht hatte.
NB: ich habe ja das Projekt das Organigramme der französischen Armee zu veröffentlichen, suche aber noch nach einem neuen Organisationsansatz
Kollaborative Kampftechnologien: eine große Herausforderung für Thales zur Unterstützung unserer Streitkräfte
Theatre bellum (französisch)
von Stéphane GAUDIN
1. Juli 2021
[Bild: Thales-2-696x392.jpg]
Der kollaborative Kampf ist der neue Grundpfeiler des Land-, Luft- und Seekampfsystems der nächsten zwanzig Jahre und stellt eine große technologische Herausforderung für moderne Armeen dar.

Bei den Landstreitkräften werden die Fortschritte im Bereich der Informationsverbesserung, die im Mittelpunkt des Programms Scorpion stehen, das derzeit von der Thales-Gruppe entwickelt wird, den Austausch von Informationen auf verschiedenen taktischen Ebenen (Sensoren) ermöglichen, um die operative Wirksamkeit von Manövern zu gewährleisten und zu optimieren. Der Soldat wird zunehmend vernetzt sein, um in einem feindlichen und komplexen Umfeld mit maximaler Sicherheit operieren zu können. Thales engagiert sich stark für die Umsetzung der Gemeinsamen Brigade 2023.
[Bild: Combat-collaboratif-1536x944.jpg]
Beobachtung, Erkennung und Kommunikation erfordern den Einsatz von Spitzentechnologien, die auf den nächsten Schlachtfeldern den Unterschied ausmachen werden. Für den CDEC "muss das Manöver die Streuung der Mittel, die Verschleierung der Absichten und die Konzentration der Wirkung begünstigen".

General (2S) Bernard Barrera, der neue Berater für Landverteidigung der Thales-Gruppe, beschrieb den künftigen Luft-Land-Kampf auf der Grundlage aktueller und in der Entwicklung befindlicher Ausrüstung: "Sobald die Aktion am Boden beginnt, können die Spezialkräfte von den Wahrnehmungsfähigkeiten profitieren, die die Bildsensoren und taktischen Funkgeräte, insbesondere die Station 'Contact', bieten.

Alle eingesetzten Streitkräfte sind in eine Luft-Land-Verbindungsblase (Kampfflugzeuge, Fahrzeuge, Hubschrauber und UAVs) integriert, für die Thales die Gesamtarchitektur und das Telekommunikations-Backbone bereitstellt. Innerhalb dieser Blase wird ein gemeinsames System zur Überwachung der Situation eingerichtet. In ihren Fahrzeugen können die Kämpfer die Situation überwachen und sind bereit zu handeln.

Es ist von entscheidender Bedeutung, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit zu erhalten, dank intelligenter und kollaborativer Sensoren, die einen raschen Austausch ermöglichen, wobei die Subsidiarität der Befehlsgewalt zu beachten ist, um eine Informationsüberlastung zu vermeiden.

Die Digitalisierung des Gefechtsfeldes führt zu kollaborativem Wissen und Handeln, was für die Wahrung der operativen Überlegenheit gegenüber dem Gegner, der in einem hochintensiven System ebenfalls ähnliche Technologien entwickelt haben wird, unerlässlich ist.

Marc Darmon konzentrierte sich auf zwei Technologien:

* Die Verteidigungswolke, die angesichts der Besonderheit der Kommunikation, die gestört und unterbrochen werden kann, und der Konfiguration des Einsatzgebietes in einem extremen Umfeld sehr speziell sein wird. Thales hat vor kurzem den ersten Vertrag für eine Cloud-Lösung im Verteidigungsbereich mit der NATO abgeschlossen.

* Weltraumgestützte Telekommunikation für den Verteidigungssektor, insbesondere an Land, die die Kommunikation zwischen Blasen in einem externen Einsatzgebiet und zwischen diesem Gebiet und dem Festland mit sehr hohen Datenraten ermöglicht.
[Bild: Caisson-Cloud-Thales-2-1536x1131.jpg]
Auf der linken Seite des Bildes: "Caisson Cloud", präsentiert auf der Ausstellung der Spezialkräfte SOFINS 2021. Kredit: THEATRUM BELLI.
[Bild: NEXIUM-Defence-Cloud-Thales-2-1536x913.jpg]
SOFINS 2021. Kredit: THEATRUM BELLI.

Auf der Ausrüstungsseite, am Beispiel des Griffon-Fahrzeugs des Scorpion-Programms, hat es :

Das Software-Funkgerät Contact (oder SYNAPS für das Erkundungsmodell), das eine sehr schnelle Kommunikation mit geringer Latenzzeit zwischen den Fahrzeugen sowie zwischen Fahrzeugen und Soldaten ermöglicht. Es ermöglicht die Bildung von Interessengemeinschaften, um eine größere Autonomie der Gruppen zu fördern und den Informationsaustausch zu isolieren, damit die gesamte Kommunikation und die Befehlskette nicht unterbrochen werden.

ANTARES 360°-Kamera (und 90° vertikal), die es ermöglicht, außerhalb des Fahrzeugs zu "sehen", mit Bildern einer Auflösung von 5 Millionen Pixeln, sehr nützlich in der städtischen Umgebung, um Bedrohungen auf den Dächern wie Scharfschützen oder gepanzerte Fahrzeuge auf mehrere hundert Meter zu erkennen.

Ein systronic-Modul (Vetronik), um die Berechnungsfähigkeiten zu gewährleisten und eine beträchtliche Menge an Verarbeitung zu tragen, um die genauesten Informationen zu liefern.

Und ein Schutzmodul (RCIED), ein Störsender gegen improvisierte Sprengsätze (IED), der zum Schutz der für die Öffnung der Routen zuständigen Einheiten beiträgt.

[Bild: Griffon-Thales-1536x779.jpg]

Alle diese Systeme müssen jedoch in der Lage sein, im gestörten Modus zu arbeiten und im Falle einer kurzzeitigen Unterbrechung der Kommunikation zwischen dem normalen und dem gestörten Modus zu wechseln. Diese Dimension ist in die Gerätearchitekturen integriert. Diese immer ausgefeilteren Technologien erfordern auch eine gute Logistikkette sowie Fachpersonal, das in der Lage ist, Reparaturen an den Einsatzorten vorzunehmen (OPEX). Sie setzt eine Partnerschaft mit den Unternehmen voraus, die diese Hightech-Ausrüstung liefern.

Die größte Herausforderung wird die Kontrolle der Energie sein, die für Christophe Salomon und General (2S) Barrera "ein echtes Thema" ist. Die Standardisierung von Energiequellen ist eine absolute Notwendigkeit. Dieses Thema ist eine logische Folge des kollaborativen Kampfes, und parallel dazu werden Studien durchgeführt, um die Autonomie und die Einsatzdauer zu erhöhen sowie das Gewicht der Ausrüstung und den Verbrauch von Energiequellen zu reduzieren, damit dies nicht zu einer Schwachstelle wird.

Mit dem Einsatz dieser neuen Ausrüstung wird "ein horizontaler und vertikaler Informationsaustausch durch die Vernetzung von Sensor- und Lageüberwachungsfähigkeiten erreicht, was zur Schaffung einer 'digitalen Blase' führt, in der Gefechtsinformationen und Aufklärungsdaten (wie z.B. die Position von freundlich-feindlichen Kräften, die logistische Situation und die Verbreitung von Befehlen) in Echtzeit an alle Akteure auf dem Schlachtfeld verteilt werden.

Diese Technologien werden die Fähigkeiten der BOLS (Beyond Line of Sight) optimieren, die durch die Echtzeit-Übertragung von georeferenzierten Bilddaten von UAV-Systemen mit leichtem Kontakt, wie dem Spy'Ranger SMDR, der derzeit bei den Barkhane-Truppen eingesetzt wird, verbessert werden.

[Bild: SMDR-SPY-RANGER-1536x1024.jpg]
Spy'Ranger (SMDR) im Einsatz in Mali. Kredit: Armée de Terre.
Eine Frage die sich aus den aktuellen technologischen Umbrüchen ergibt ist, ob das Primat im nächsten Krieg dem Angreifer oder dem Verteidiger zufallen wird oder es zwischen dies ausgeglichen verteilt sein wird. Daraus ergeben sich für die Doktrin, die Struktur, die einleitenden Schritte, die Vorpositionierung, und die Frage der Dislozierung und Schwerpunktbildung weitreichende Folgen.

Meiner Meinung nach wird die Technologie aktuell in den westlichen Streitkräften zu sehr von einem defensivem Standpunkt aus betrachtet (diese Aussage bezieht sich jetzt nicht auf Frankreich!, sondern auf die Gesamtheit und die allgemeine Tendenz. Das hat sicher auch mit der akutellen Sozialkultur und unserem Verständnis vom "gerechten Krieg" an sich zu tun, welcher ja ein Verteidigungskrieg sein soll. Allein schon die Idee präventiv andere Länder zu überfallen und zerstören ist in der Bundesrepublik ja bereits eine schwerstwiegende Straftat.

Rein wissenschaftlich muss man sich aber die Frage stellen, ob nicht genau ein solches Vorgehen dass ist, welches durch die Technische Entwicklung rein militärisch am vorteilhaftesten sein wird. Entsprechend sollte das technologische Primat daher auch bei Angriffswaffen liegen und weniger im verteidigenden Bereich, da moderne Staaten nach den ersten extrem schnellen und extrem harten Schlägen nicht mehr kampffähig sein werden.

Meine These ist daher, dass die Eröffnung des Krieges mit einer Entscheidungsschlacht bereits alles entscheiden wird und daher jede militärische Technologie darauf hin gewichtet werden müsste. Selbst in einem Land wie Frankreich mit einer großen offensiven Tradition aber dominieren zunehmend defensive Vorstellungen wie beispielsweise hier die Begriffe allein schon belegen:

Zitat:mit maximaler Sicherheit operieren

Alle eingesetzten Streitkräfte sind in eine Luft-Land-Verbindungsblase (Kampfflugzeuge, Fahrzeuge, Hubschrauber und UAVs) integriert, für die Thales die Gesamtarchitektur und das Telekommunikations-Backbone bereitstellt. Innerhalb dieser Blase wird ein gemeinsames System zur Überwachung der Situation eingerichtet. In ihren Fahrzeugen können die Kämpfer die Situation überwachen und sind bereit zu handeln.

Die Verteidigungswolke

Alles fein und gut, aber nicht das was es meiner Meinung nach im nächsten größeren konventionellen Krieg reißen wird.
Für Ideen zu einer offensiven Gefechtsplanung sind die westlichen Demokratien mental nicht mehr fähig. Ich sage das ohne Anklage. Das 20. Jahrhundert steckt den Völkern noch im kollektiven Gedächtnis. Nicht nur die Deutschen haben sich noch nicht erholt. Auch die Franzosen haben 2 Weltkriege, Dien Bien Phu und Algerien in den Knochen. Ich zweifle auch daran, dass man der britischen Bevölkerung oder den Italienern einen Angriffskrieg schmackhaft machen könnte. So ist es nun mal.
Ich sehe dabei das Problem, dass man auch nicht wirklich an einem Plan arbeitet, eine angreifende Armee mit einer wirkungsvollen Defensiv-Strategie zu vernichten.
Und wenn die angreifende Armee vernichtet wurde, ist dadurch irgend etwas gewonnen? Was genau soll das also dann bewirken und in welchem Kontext, dass ist hier die Frage. Das ist auch so ein Problem der Gegenwart, dass man Krieg als etwas für sich selbst allein bestehendes versteht, dabei ist der moderne Krieg längst in keinster Weise mehr von der Gesamtheit aller Dinge trennbar. Eine rein auf die Streitkräfte bezogene Betrachtung des Krieges ist daher genau so falsch wie wenn man in diesem die Technik zu stark gewichtet. Aber genau das ist heute vorherrrschend bei westlichen TM Streitkräften. Alle Übungen, Manöver, Überlegungen, Doktrin usw. gehen vom Krieg in einer Form aus, welcher der eigenen Gesetzgebung, der eigenen Vorstellung vom Krieg und der eigenen Sozialkultur entspricht. Und damit wird der Krieg in westlichen TM Streitkräften zum einen in unangebrachter Weise ritualisiert, vor allem durch die Legalisierung des Krieges, den überbordenden Legalismus mit dem man glaubt dem entscheidendsten Charakterzug des Krieges, nämlich der Entropie entgegen wirken zu können und zum anderen wird er immer stärker rein defensiv ausgerichtet bis hin zu dem Punkt wo man glaubt in einer rein defensiven Abwehr des Gegners sei schon irgend etwas erreicht.

Man betrachtet den Krieg auch zu sehr rein militärisch, und klammert Methoden und Prozedere aus welche sich der schlußendlich wahren Natur des Krieges eher hingeben um dadurch Vorteile zu explorieren. Da Chaos und Entropie die beiden wesentlichsten Züge des Krieges sind, muss man sich diesen nicht nur hingeben, ganz im Gegenteil sollte man sie voran treiben um gerade dadurch Chancen zu ermöglichen. Je mehr Chaos, desto mehr Chancen.

Das Chaos hingegen einzuhegen, einzufrieden, aufzulösen und eine wohl geordnete, strukturierte und systematische Auflösung des Nebel des Krieges durch immer mehr Information und Informationsverarbeitung anzustreben zieht das Problem nach sich, dass man dadurch langsamer wird als derjenige welcher den Krieg als Kunst auf eine intuitivere Weise betreibt.

Eine Wissenschaftliche Herangehensweise wie die hier durch vollständige Vernetzung angestrebte Kollaborative Kampfweise scheitert dann zwingend sobald die technischen Grundlagen dafür nicht mehr aufrecht erhaltbar sind Es ehrt hier in diesem Kontext Frankreich immerhin, dass man dort eher als hierzulande erkannt hat wie schwierig diese vernetzte Kriegsführung in einem ernsthaften Krieg aufrecht erhaltbar sein wird und deshalb Alternative Wege sucht die Vernetzung auch unter widrigsten Umständen und dem Ausfall von Schlüsseltechnologien weiter aufrecht erhalten zu können.

Meine These ist, dass die angestrebte vernetzte Kriegsführung sowohl eine überragende Stärke wie auch zugleich eine enorme Schwachstelle darstellt und daher in beide Richtung extreme Wirkung erzielen kann. Deshalb gehe ich davon aus, dass man hier eine gewisse Redundanz benötigt, was Frankreich hier ja auch teilweise mit einplant, und dass man parallel verschiedene Formen weiter zugleich ausbilden und vorhalten muss.

Schlussendlich ändert dass aber selbst in Frankreich nichts am Übermaß des Legalismus in der Kriegsführung, der Verweigerung sich der Natur des Krieges hinzugeben um dadurch Vorteile zu erlangen und der aus beidem heraus resultierenden zu defensiven Ausrichtung unserer Doktrin, unserer Streitkräfte, und unserer konkreten Pläne.
Wenn man nun primär die Technologie betrachtet, im vorliegenden Fall also das Scorpion Programm, so ist eine Möglichkeit diese in Bezug auf ihren Wert für die Kampfkraft zu bewerten die sogenannte Systemic Technology Theory. Gemäß dieser verschiebt (wie schon oben beschrieben) die Technologie den Vorteil vom Angreifer zum Verteidiger und umgekehrt. Deshalb werden solche Gedankengebäude auch Offensiv-Defensiv Theorie genannt.

Es genügt aber eben nicht hier allein die Kriegs-Technologie zu betrachten, in einer ganzheitlichen Sichtweise muss auch die Gesellschaft und ihre Kultur mit berücksichtigt werden - wie aramiso es schon so treffend benannt hat. Es genügt also nicht eine Technologie zu haben welche den Angreifer stark bevorzugt wenn man parallel dazu eine Gesellschaft hat welche zum Angriff aus diversen anderen Gründen nicht in der Lage ist.

Aufgrund dieser Problematik die aramiso hier so viel besser (weil kürzer und prägnanter) beschrieben hat, stellen sich zwei Fragen:

1. soll man daher die Technologie der jeweiligen Kultur anpassen? Das ist nämlich exakt das was zur Zeit in vielen Ländern - insbesondere in dieser Bundesrepublik geschieht, man bevorzugt defensive Rüstungstechnologien weil diese eher zum eigenen kulturellen Selbstverständnis passen. Dies ist der größtmögliche Fehler, da es nach der Systemic Technology Theory egal ist welche Seite angreift oder welche Seite verteidigt, wenn die aktuell vorherrschende Technologie den Angreifer bevorzugt, dann ist immer der Angreifer im Vorteil, völlig gleich ob wir das sind oder der Feind. Wenn wir daher entgegen dem jeweiligen Vorteil der aktuellen Technologie eine andere Form von Technik rüsten, dann rüsten wir entgegen diesem Vorteil, wir verschlimmern also das Problem und werden noch schwächer als wir es ohnehin wären weil wir uns dem was ist verweigern. Und da bei unseren Streitkräften Doktrin und Technik meist Hand in Hand gehen, wird auch noch unsere Doktrin entgegengesetzt zu dem sein, was gerade aktuell vorteilhaft ist.

2. ist das Scorpion Programm nun eine Technologie, welche den Angreifer bevorzugt oder welche den Verteidiger bevorzugt? Vernetzte Kriegsführung bevorzugt meiner Ansicht nach in den meisten Fällen den Angreifer (wenn die "richtigen" Waffensysteme miteinander vernetzt werden), gerade deshalb hat dieser zur Zeit das Primat. Vernetzung ist aber daher nicht gleich Vernetzung. Man muss sie auch im Kontext ihrer Zielsetzung betrachten, die dazugehörige Doktrin betrachten, die Gesellschaft und deren kulturelle Ausrichtung und was für Systeme hier miteinander vernetzt werden und wie diese konkret eingesetzt werden sollen.

Beispielsweise ist das Scorpion System meiner Ansicht nach "zu leicht" für eine ernsthafte offensive Kriegsführung. Dazu kommt noch die selbst in Frankreich zu sehr vorherrschende Defensive Ausrichtung allen militärischen Handelns um das Risiko und die Verluste zu minimieren. Wenn man ein höheres Risiko eingeht, höhere Verluste akzeptiert, sehr viel aggressiver und offensiver agiert und dafür deutlich schwerere Verbände vorsieht, wird man sich gegenüber einem System wie Scorpion durchsetzen können. Einfach weil die aktuelle Technologie hier dieser Ausrichtung den Vorteil gewährt. Und dies umso mehr, wenn die Gesellschaft eine solche Kriegsführung aus sozialkulturellen Gründen ohnehin anstrebt bzw. tragen kann.

Die Schlußfolgerung für Deutschland sollte daraus sein, dass wir bewusst deutlich schwerere Verbände aufstellen müssen, welche deutlich aggressiver/offensiver ausgerichtet sein müssen, um die Vorteile der Vernetzung im Angriff explorieren zu können. Auf einen feindlichen Angriff muss mit einem Präventivangriff oder einem möglichst frühzeitigen und möglichst offensiven Gegenangriff "reagiert" werden, besser aber wäre es zuerst zuzuschlagen. Es wäre daher für Deutschland falsch Mittlere Verbände auf Radpanzern zu rüsten, nicht nur weil diese in Europa schon zuhauf vorhanden sind, sondern weil diese schlechter für die offensive vernetzte Kriegsführung geeignet sind.

Frankreich muss natürlich anders rüsten, ist sein Ziel doch auch eindeutig die Expeditionskriegsführung in Afrika und anderen vergleichbaren Fällen. Das kann man mit den beschränkten Mitteln welche zur Verfügung stehen natürlich so nicht unter einen Hut bringen und beides Vorhalten. Gerade deshalb aber sollten wir umso mehr so rüsten, wie es für die offensive Kriegsführung benötigt wird. Je schneller und je weiter reichend wir in kürzest möglicher Zeit tief in feindlichem Raum inmitten der feindlichen Zivilbevölkerung stehen, desto besser. Selbst Russland ist heute nicht mehr in der Lage ein solches Geschehen kriegswirtschaftlich wegzustecken und muss sich dann zwischen Verhandlungen (welche man parallel durchgehend anbieten muss) oder der nuklearen Eskalation entscheiden.

Genau aus diesem Grund verfolgt Russland umgekehrt ja genau die gleiche Strategie, genau die gleiche Grundausrichtung und rüstet entsprechend seine vernetzten Verbände anders als es Frankreich hier tut. Und Frankreich selbst kann sich das viel eher leisten leichtere / mittlere Verbände in den Mittelpunkt zu stellen, aufgrund seiner geographischen Lage hinter Deutschland und Polen. In einer europäischen Rüstungspolitik und einer ganzheitlichen Betrachtung der Rüstung in Europa müssen wir daher Frankreich "ausgleichen", indem wir eben anders rüsten als es die Franzosen hier tun.

Beides würde sich zudem gut ergänzen, da die entsprechenden mittelschweren Verbände Frankreichs durchaus insgesamt für einen Angriffskrieg sehr brauchbar wären, auch wenn sie für sich selbst dafür unzureichend sind. Sie dienen dann in einem solchen Kontext gerade aufgrund dieses Kampfinformationssystems als Späher, Plänkler, und leiten die Entscheidungsschlacht ein welche dann von anderen Verbänden geschlagen wird. Da ist aufgrund ihrer leichteren Ausrichtung mobiler sind, können sie von weiter westlich auch viel eher nach Osten verlegen und kämen damit zeitgleich mit den schweren Einheiten dort an welche weiter östlich zu positionieren wären.

Kommen wir beschließend damit zur entscheidenden Schlußfolgerung aus dem Scorpion Programm, welche man mit einem Wort perfekt zusammen fassen kann:

Interoperabilität

Was nützen Späher und Plänkler welche über ein eigenes Netz, ein Kampfinformationssystem und überragende Sensorik verfügen, wenn diese in Bezug auf die Informationen nicht mit uns zusammen interagieren können? Die zwingenden Schlußfolgerung des Scorpion Programms ist, dass die deutschen Streitkräfte mit diesem Interoperabel werden müssen, dass wir eine Verknüpfung mit diesem System herstellen müssen und die Interoperabilität zwischen den französischen und deutschen Verbänden weitgehend ausgebaut und erheblich verbessert werden muss. Wir benötigen daher neue Schnittstellen und eine fließend ineinander übergehende Vernetzung der französischen und der deutschen Netzwerke. Nur so macht das französische Scorpion Programm in einem europäischen Gesamtkontext Sinn und kann für die Offensive in einem ernsthaften größeren Krieg tatsächlich insgesamt nutzbringend werden.

Das Problem sind hier wieder einmal wir. Aktuell dürften wir in Europa in Bezug auf die Interoperabilität eine der am schlechtesten aufgestellten Armeen sein. Aufgrund der eindeutigen Bevorzugung des Angreifers durch die aktuelle Technologie, insbesondere durch die vernetzte Kriegsführung wäre aber die Herstellung einer möglichst weitgehenden Interoperabilität zwischen den französischen Streitkräften und der Bundeswehr der entscheidenste und wesentlichste Schwerpunkt der nächsten Jahre überhaupt. Diese Vernetzung zwischen uns herzustellen wäre meiner Meinung nach das aktuell wichtigste Rüstungsprojekt, wichtiger als fast alles andere.

Wenn Frankreich und Deutschland sich hier weitgehend vernetzen würden, und wir dann unsere Streitkräfte deutlich offensiver und schwerer ausrichten würden, wäre für Europa insgesamt sehr viel gewonnen.
Ich habe vor einiger Zeit ein Thesenpapier der Budeswehr zur zukünftigen Ausgestaltung des Heeres gelesen. Darin ging es um die Stärkung der Pioniertruppe, die in Zukunft sehr viel schneller und effektiver Minenfelder anlegen soll. In diesen Feldern sollen bei Bedarf Korridore geschaffen werden, durch die Panzerkräfte schnell vorpreschen und sich danach schnell zurückziehen können. Wenn also die Panzertruppe schon als Defensivwaffe gedacht wird, womit sollte dann offensiv gekämpft werden?
Grundsätzlich bringt die defensive Kampfweise schon einmal den Nachteil, dass man sich eine wichtige Option nimmt: die Offensive. Man muss immer warten, um auf die Bewegungen des Gegners zu reagieren. Der Gegner kann im Gegensatz dazu alle Register ziehen und ist selbst vor Überraschungsangriffen weitgehend sicher.
Nun gab es in der deutschen Geschichte Leute wie Feldmarschall Model, der geradezu ein Genie im Kampf aus der Defensive war. Gibt es solche Könner in der NATO?
Das Kernproblem in Deutschland liegt im Umstand, dass es keine klar formulierten internationalen Interessen mehr gibt. Die Außenpolitik stolpert unbeholfen durch die Konflikte; ist hier ein bisschen empört und da ein bisschen zurückhaltend. Aber welche Ziele verfolgt Deutschland? Außer Klimaschutz? Welche Partnerschaft wollen wir mit Frankreich? Was wollen wir mit Polen? Sind das unsere Partner und Waffenbrüder? Oder sind es nur ungehorsame EU-Renegades, die deutsche Politiker zur Raison bringen wollen? Was wollen wir in Bezug auf Russland? Nichts ist klar formuliert oder auch nur gedacht. Und diese wischiwaschi-Politik schließt natürlich die Landesverteidigung mit ein.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Diskussion über vernetzte Systeme und Schlachtfelder bringt nichts, wenn kein politischer Wille ausformuliert ist. Die Frage, warum sollten wir kämpfen, mit welchem finalen Ziel und welche konkreten Mittel sind dafür notwendig, muss am Anfang stehen. Danach wird klar, ob und wie das Skorpion-Programm dabei hilfreich ist.
Was Frankreich angeht

Brigade (Typen)
Die französische Armée verfügt über drei verschiedene Typen von Brigaden

légère (Leichte Brigade) Fallschirmjäger und Gebirgsjäger
médiane (Mittlere Briage) Motoriserte Infanterie
lourde (schwere Brigade) Panzer (?Grenadiere)

Scorpion entwickelt eine Einsatzdoktrine vor allem fûr leichte und mittlere Brigaden. Was schwere Brigaden angeht, hier werden zur Zeit (der Rest) der Kampfpanzer Leclerc renoviert, um diese in das Konzept einbinden zu können.
Aber das ist der Teil der (2008 kaputtgesparten) französischen Armée, der noch nicht wirklich aus seinem "Dornröschschlaf" erweckt wurde. Kostet halt viel Geld.

Einsatzbereiche (engagiert nur mich)[/i]

Afrika (für alle]
Indopazifik ( für leichte und mittlere)
Griechenland und Balkan
( für leichte und mittlere)
Norwegen (Gebirgsjäger)
Finnland, Schweden, Baltikum (leichte und mittlere schwere ??)
Polen (mittlere und schwere)
Tschechien, Slowakei (mittlere und schwere)
und dann hört es schon auf, ganz einfach aus logistischen Gründen, unterschiedliche Waffen, Munition, alles muss aus dem "Heimatland" geliefert werden.

Einsatzkräfte (engagiert nur mich)
Jeweils eine (type) Brigade im HI Einsatz, und eine zweite im Heimatland um die Verluste zu ersetzen. Mehr ist nicht drin.
NB Ab 2024 git es Vorstellungen die Einsatzstärke der Heeres um 10.000 Köpfe zu erhöhen. Und mindestens zwei Jahre für die reelle Einsatzbereitsschaft. Material währe vorhanden , freigestellt durch die Neulieferungen.

Zitat:Beispielsweise ist das Scorpion System meiner Ansicht nach "zu leicht" für eine ernsthafte offensive Kriegsführung. Dazu kommt noch die selbst in Frankreich zu sehr vorherrschende Defensive Ausrichtung allen militärischen Handelns um das Risiko und die Verluste zu minimieren. Wenn man ein höheres Risiko eingeht, höhere Verluste akzeptiert, sehr viel aggressiver und offensiver agiert und dafür deutlich schwerere Verbände vorsieht, wird man sich gegenüber einem System wie Scorpion durchsetzen können. Einfach weil die aktuelle Technologie hier dieser Ausrichtung den Vorteil gewährt. Und dies umso mehr, wenn die Gesellschaft eine solche Kriegsführung aus sozialkulturellen Gründen ohnehin anstrebt bzw. tragen kann.

Bof, das ist lesen im Kaffeesatz. Hier wird viel "geübt" in der französischen Armme, wie "schwer" Verbände sein können (Panzer 45 oder 75 Tonnen) hängt viel vom Einsatzgebiet, und von der Logistik ab ( Treibstoffverbrauch ).

Zitat:Die zwingenden Schlußfolgerung des Scorpion Programms ist, dass die deutschen Streitkräfte mit diesem Interoperabel werden müssen, dass wir eine Verknüpfung mit diesem System herstellen müssen und die Interoperabilität zwischen den französischen und deutschen Verbänden weitgehend ausgebaut und erheblich verbessert werden muss. Wir benötigen daher neue Schnittstellen und eine fließend ineinander übergehende Vernetzung der französischen und der deutschen Netzwerke. Nur so macht das französische Scorpion Programm in einem europäischen Gesamtkontext Sinn und kann für die Offensive in einem ernsthaften größeren Krieg tatsächlich insgesamt nutzbringend werden.

Belgien benutzt es schon, Spanien hat Contact Funkgeräte (Lizens) bestellt, und der (Rest) Benelux beobachtet. Und zusätzlich gibt es ja Pisten Essor und Thales arbeitet für den Nato Cloud.
Da wo Du vollkommen recht hast, wenn wir einen Krieg verlieren, dann ist es vor allem, weil wir die Logistik nicht stemmen können. Zuviele unterschiedeliche Waffen, Munitionen, Ersatzteile etc.

Was defensif/offensif angeht.
Müdes Gähnen, das ist wie Ebbe und Flut, beides kommt, und mann muss beides können.

Zitat:Um es auf den Punkt zu bringen: Die Diskussion über vernetzte Systeme und Schlachtfelder bringt nichts, wenn kein politischer Wille ausformuliert ist.

Stimmt
(02.11.2021, 10:13)Quintus Fabius schrieb: [ -> ]Auf einen feindlichen Angriff muss mit einem Präventivangriff oder einem möglichst frühzeitigen und möglichst offensiven Gegenangriff "reagiert" werden, besser aber wäre es zuerst zuzuschlagen.

Einen Präventivangriff wird kein deutscher Politiker mehr beschließen.
Es wäre aber die Aufgabe der Militärs, der Politik den Unterschied zwischen einer offensiven Kriegsführung und einem Angriffskrieg zu erklären.
Broensen:

Der Militär der so etwas auch nur öffentlich anspricht kann froh sein wenn er ohne Strafverfahren davon kommt. Niemand wird auch nur ansatzweise Gedanken in dieser Richtung propagieren und viele hochrangige Militärs sind auch tatsächlich einer gegenteiligen Ansicht.

voyageur:

Zitat:Scorpion entwickelt eine Einsatzdoktrine vor allem fûr leichte und mittlere Brigaden.

Ich schreibe ja oft über Panzerspäher und andere vergleichbare Kräfte welche als Streifscharen (=Raider) tief in feindliches Gebiet vorstoßen und dort möglichst unabhängig und weitreichend agieren und zugleich Feuerkraft auf große Distanzen abrufen und einsetzen können. Die französischen Einheiten bieten sich für diese Rolle geradezu an, beispielsweise ist der Jaguar hierfür wesentlich besser geeignet als selbst ein GTK CRV. Und gerade eben das Scorpion System bietet hier nochmals entscheidende Vorteile. Dazu kommt noch dass eine solche Doktrin ohnehin gut zur traditionellen Auffassung der französischen Panzerwaffe passt.

Aber das ist für sich allein im konventionellen Krieg eben unzureichend. Um das Beispiel eines Boxers zu verwenden: Die französische Armee könnte in einem solchen Kontext die Führhand sein, welche mit schnellen Jabs den Einsatz der Schlaghand vorbereitet bzw. den Gegner durch diese schwächt. Eine noch so starke Schlaghand ist ohne gute Führhand nutzlos und umgekehrt gilt dies ebenso:

Zitat:Was schwere Brigaden angeht, hier werden zur Zeit (der Rest) der Kampfpanzer Leclerc renoviert, um diese in das Konzept einbinden zu können.
Aber das ist der Teil der (2008 kaputtgesparten) französischen Armée, der noch nicht wirklich aus seinem "Dornröschschlaf" erweckt wurde. Kostet halt viel Geld.

Und selbst wenn sie renoviert werden, wird das völlig unzureichend sein. 200 Leclerc sind auch in ihrer renovierten Form einfach konzeptionell veraltet und vernachlässigbar in ihrer Kampfkraft. Zudem wäre es eben meiner Meinung nach genau falsch im Rahmen des Scorpion Systems parallel auch noch schwere Brigaden aufzubauen und einzubinden. Genau diesen Ansatz: jeder in Europa macht alles parallel könnte man hier überwinden und die schweren Brigaden (die Schlaghand) Deutschland und Polen überlassen. Dazu bedarf es lediglich der Anbindung der entsprechenden deutschen Verbände an das Scorpion System - eben das was ich mit Interoperabilität meinte.

Zitat:Bof, das ist lesen im Kaffeesatz. Hier wird viel "geübt" in der französischen Armme, wie "schwer" Verbände sein können (Panzer 45 oder 75 Tonnen) hängt viel vom Einsatzgebiet, und von der Logistik ab ( Treibstoffverbrauch ).

Die Grundlagen meiner "Kaffeesatzleserei" habe ich ja ausführlichst dargelegt, und auch die Theorie genannt auf welcher sie beruhen. Die französische Panzerwaffe strebte meiner Kenntnis nach immer schon in der Kalten Krieg Zeit an leichter zu sein im Vergleich und das bietet ja auch spezifische Vorteile. Im Verbund der heutigen Technologie aber stellt sich die Frage nach der Rolle dieser im Vergleich leichteren Panzerwaffe. Und ob man nicht gerade eben im Kontext des Scorpion Systems dieses aktuelle Primat bei leichten und mittleren Verbänden zumindest in Frankreich nicht konsequent als Schwerpunkt weiter führen sollte.

Als praktische Konsequenz einer solchen Überlegung könnte man beispielsweise die Leclerc komplett aufgeben - ich weiß, ein radikaler Schritt und entsprechend freiwerdende Mittel in weitere Jaguar etc stecken.

Eine Ironie ist hier noch, dass Nexter schon mehrfach hochinteressante und zukunftsweisende Prototypen möglicher neuer schwerer Kampfpanzer vorgestellt haben. Beispielsweise einen Leclerc mit einer 40mm Maschinenkanone als Prototypen, kennt selbst in Frankreich kaum jemand. Genau solche Panzer sind konzeptionell die Zukunft, aber der Zug ist in Frankreich meiner Meinung nach abgefahren. Es wäre aber sinnvoll und denkbar wenn entsprechend die deutsche Armee und andere ausgesuchte Verbände in Osteuropa sich genau in diese Richtung entwickeln und spezialisieren würden und entsprechend dann die schwere Komponente im Scorpion System stellen würden.

Zitat:Belgien benutzt es schon, Spanien hat Contact Funkgeräte (Lizens) bestellt, und der (Rest) Benelux beobachtet.

Exakt. Und was für ein Schritt und was für eine Signalwirkung wäre es, wenn Deutschland hier über seinen Schatten springt und entsprechend ebenfalls sich in dieses System einklinken würde - mit einer dezidiert schweren Komponente hierfür, was umgekehrt Frankreich davon entlastet selbst eine solche mit der Zeit aufzubauen, so dass beide Länder sich jeweils spezialisieren und dann im jeweiligen Spezialbereich wesentlich mehr Quantität und wesentlich mehr Vereinheitlichung erlangen könnten. Zugleich würde dieses mehr an Quantität entsprechender Verbände Vorteile für die französische Expeditionskriegsführung in Übersee nach sich ziehen.

Zitat:Was defensif/offensif angeht.
Müdes Gähnen, das ist wie Ebbe und Flut, beides kommt, und mann muss beides können.

Ich vermute ein Sprachproblem. Den das ist nicht der Punkt auf den ich hinaus wollte. Es geht nicht darum dass man beides beherrschen muss, sondern dass aufgrund eines ganzen Bündels von Faktoren, unter anderem vor allem aber auch der Technologie jeweils die eine oder die andere Form der Kriegsführung überlegen ist.

Oder um bei deinem Ebbe - Flut Vergleich zu bleiben. Wenn die Flut einläuft ist es sehr schwierig entgegen der Flut vom Ufer wegzuschwimmen. Läuft das Wasser bei Ebbe ab, wird es sehr schwierig nicht hinaus gezogen zu werden. Darum geht es, dass die Umstände jeweils das eine oder das andere stärker machen und derjenige welcher dann entsprechend "mit den Gezeiten schwimmt" dadurch militärische Vorteile erlangt und zwar ungeachtet der Frage wer er ist.

Es geht also nicht darum dass man beides können muss, sondern dass eines von beidem stärker und das andere schwächer ist. Und die Frage welches von beiden das Scorpion System stärkt und welche Seite an sich aufgrund der Gesamtumstände stärker ist.

aramiso:

Zitat:Das Kernproblem in Deutschland liegt im Umstand, dass es keine klar formulierten internationalen Interessen mehr gibt......Welche Partnerschaft wollen wir mit Frankreich? Was wollen wir mit Polen? Sind das unsere Partner und Waffenbrüder? Oder sind es nur ungehorsame EU-Renegades, die deutsche Politiker zur Raison bringen wollen? Was wollen wir in Bezug auf Russland? Nichts ist klar formuliert oder auch nur gedacht. Und diese wischiwaschi-Politik schließt natürlich die Landesverteidigung mit ein.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Diskussion über vernetzte Systeme und Schlachtfelder bringt nichts, wenn kein politischer Wille ausformuliert ist. Die Frage, warum sollten wir kämpfen, mit welchem finalen Ziel und welche konkreten Mittel sind dafür notwendig, muss am Anfang stehen. Danach wird klar, ob und wie das Skorpion-Programm dabei hilfreich ist.

Meinem Verständnis nach ist die Sache einfach(er): wir haben die EU. Diese ist zuvorderst auch ein sicherheitspolitisches Bündnis und - was wenig in Deutschland verstanden wird - ein Militärbündnis. Und zwar ein viel weitergehendes als es die NATO ist. Das heißt wir werden bei einem Angriff auf einen EU Partner im Krieg sein. Damit ist auch die Frage recht leicht beantwortet wo die Kriegsräume und wer die Gegner sein werden oder sein könnten: da haben wir die Türkei (im Kontext Griechenland / Zypern etc) und dann haben wir Russland und damit den Kriegsraum Baltikum / Osteuropa etc. Beschließend bleibt noch Nordafrika im Rahmen assyemtrischer Kriegsführung, Stabilisierungsmissionen und möglichen Völkerwanderungsbewegungen in diesem Raum etc

Ein Krieg gegen die Türkei ist primär einer der Marine und der Luftstreitkräfte - zumal es unmöglich ist die Türkei zu erobern und zu besetzen, er wird also auf einen Schlagabtausch hinaus laufen bei dem die Türkei rein theoretisch den Kürzeren ziehen muss weil sie so einen Krieg gar nicht stemmen kann. Aufgrund des Primat bei See und Luft brauchen wir diesen Krieg also im Rahmen des Scorpion Programms weniger zu beachten.

Für den assymetrischen Einsatz in Nordafrika ist Scorpion perfekt und wäre noch besser, wenn Frankreich bewusst seinen Schwerpunkt unter Aufgabe bestimmter Felder (beispielsweise Leclerc) noch mehr auf genau die jetzt im Mittelpunkt stehenden Systeme weiter konzentrieren würde.

Verbleibt also Russland und die Frage wie um das Baltikum gekämpft werden muss. Und hier kann man höchst einfach festhalten, dass das Baltikum nicht verteidigt werden kann. Wie also soll man einen russsischen Angriff abschrecken und wie auf einen reagieren? Wir werden dort in jedem Fall in eine offensive Rolle geraten, selbst dann wenn es sich bloß um die Vertreibung russischer "Rebellen" handelt oder um den Angriff auf russische Verbände welche das Baltikum besetzt halten. Eine deutlich größere Offensivkraft aber wäre für Russland hier ein erhebliches Problem den sie zöge die Gefahr nach sich, dass unsere Truppen mitten in der russischen Zivilbevölkerung stehen was die Option einer Eskalation hin zu taktischen Nuklearwaffen senkt - und dass die für den Erhalt der Kampfkraft der russischen Verbände im Baltikum notwendigen Mittel rasant wegbrechen (das geht weiter über Logistik hinaus) und dass wir uns damit schlußendlich ein Faustpfand erkämpfen welches man dann in den Verhandlungen zur Beilegung des Krieges einbringen kann.

Auch in diesem Szenario wäre das Scorpion System hervorragend, für Truppen welche in diesem Fall wie beschrieben die "Führhand" bilden. Dazu müsste man es aber meiner Ansicht nach stärker als bis jetzt auf die Offensive Rolle hin ausrichten (Stichwort Verteidigungswolke etc) und die Offensivfähigkeiten dieses Systems vor seinen Defensivfähigkeiten befördern und zum Schwerpunkt des Systems zu machen. Damit könnte das französische Heer dann sozusagen "die Führhand" Europas werden, was zugleich seinen Interessen in der Expeditionskriegsführung entgegen kommt.

Der Hemmschuh für eine solche Aufteilung der militärischen Arbeit in Europa aber sind natürlich einmal wieder wir mit unserer Verweigerung sich der Realität zu stellen. Frankreich würde sich einer solchen Lösung meiner Einschätzung nach nicht verweigern (Scorpion für deutsche Truppen - Deutschland stellt die schwere Komponente des Scorpion Gesamtverbundes), die Vorteile wären einfach zu eklatant.

Meiner Kenntnis nach gibt es aber zur Zeit noch überhaupt keine ernsthafte Diskussion in diese Richtung in Deutschland (ob es in Frankreich schon Überlegungen dieser Art gab entzieht sich natürlich meiner Kenntnis). Allen Bekenntnisen zu einer EU Verteidigungspolitik zum Trotz sind wir der primäre Bremsklotz und verweigern uns ja selbst in einem solchen eindeutigen und klaren Fall dem was einfach notwendig ist.
(02.11.2021, 21:33)Quintus Fabius schrieb: [ -> ]Dazu bedarf es lediglich der Anbindung der entsprechenden deutschen Verbände an das Scorpion System - eben das was ich mit Interoperabilität meinte. ...
Und was für ein Schritt und was für eine Signalwirkung wäre es, wenn Deutschland hier über seinen Schatten springt und entsprechend ebenfalls sich in dieses System einklinken würde - mit einer dezidiert schweren Komponente hierfür, was umgekehrt Frankreich davon entlastet selbst eine solche mit der Zeit aufzubauen, so dass beide Länder sich jeweils spezialisieren und dann im jeweiligen Spezialbereich wesentlich mehr Quantität und wesentlich mehr Vereinheitlichung erlangen könnten.

Dafür müsste es auf deutscher Seite eine relevante Größe in der Rüstungsindustrie geben, die dieses Projekt initiativ angeht und dadurch das ganze industriepolitisch interessant macht. Würde z.B. Rheinmetall sich mit Thales einigen können, eine Variante des Lynx mit Scorpion-Anbindung aufzulegen, könnte das für beide Parteien zur Goldgrube werden, sofern sie das dann in die MGCS-Entwicklung einbringen können.


Ich stimme deinen Analysen bezüglich der Rollenverteilung Deutschlands und Frankreichs in der Bündnisverteilung absolut zu und halte es aufgrund der gegebenen Umstände trotz aller unterschiedlichen Vorstellungen für vertretbar, sich zwischen diesen Armeen darauf zu verständigen, dass Frankreich auf schwere und Deutschland auf mittlere Kräfte verzichten.

Was aber mMn den Verzicht auf einen Leclerc-Nachfolger verhindern wird, ist schlicht und einfach der Exportmarkt: Solange Ölscheichs klassische Kampfpanzer kaufen, wird Frankreich auch welche haben, damit sie diese exportieren können. Dazu kommt das eher subjektive Empfinden, man könnte in eine Situation geraten, in der man die Dinger braucht und Deutschland nicht mitmacht. Ich persönlich halte das für sehr unwahrscheinlich, sofern sie nicht vorhaben sollten, ihre eigenen Rüstungskunden anzugreifen. Denn für alle anderen potentiellen Gegner sind die doch sehr leistungsstarken französischen mittleren Kräfte absolut ausreichend.
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