29.01.2026, 08:52
Eine Ausgründung des DLR und ein Business irgendeines Glücksritters sollte man doch grundsätzlich nicht gleich. Ich verstehe die Grundproblematik triviale Millionensummen für das Projekt einzuräumen.
Helios schrieb:Der Auftrag der NASA für CRS erfolgte nach drei fehlgeschlagenen Startversuchen und einem erfolgreichen Start der Falcon 1, die nach eigenen Angaben nicht kommerziell verwendbar war. Das war keine Risikofinanzierung im rechtlichen Sinn, geht aber sehr stark in diese Richtung und kann sicherlich nicht als COTS bezeichnet werden.COTS nicht im Sinne von 'Commercial off the shelf' sondern COTS das Commercial Orbital Transportation Services Program. Das wurde dann später zu CRS
Zitat:So wild sind doch die Ziele gar nicht, und einen militärischen Verwendungszweck für ein flexibel einsatzbares, wirtschaftliches Trägermittel kann ich in Anbetracht der Relevanz des Weltraums und die zukünftigen Nutzungsperspektiven kleiner Satelliten in niedrigen Umlaufbahnen durchaus schon aus diesem Grund heraus erkennen. In welcher Form die darüber hinausgehenden Fähigkeiten dann abgebildet werden können bleibt natürlich abzuwarten, nur liegt darauf nicht der Fokus der Entwicklung.Das Ding wird nie wirtschaftlicher zu betreiben sein als eine wiederverwendbare VTVL Rakete und wird on the ground zwar keine spezielle Startrampe aber mehr als genügend spezielle Service-Infrastruktur benötigen, dass man es nicht nach Belieben aus Buxtehude wird betreiben können.
Zitat:Prinzipiell richtig, aber hier geht es konkret um ein Aerospike-Triebwerk, und dieses zur Serienreife zu bringen ist ein wichtiger Punkt der Gesamtentwicklung, in meinen Augen tatsächlich der wichtigste. Entgegen deinen Aussagen ist ein Aerospike nun gerade nicht vergleichsweise schwer (im Gegenteil ist es im Vergleich zu ähnlich starken Triebwerken mit glockenförmiger Düse sogar je nach deren Auslegung durchaus auch signifikant leichter) und besitzt im Vergleich zu eben diesen auch ein besseres TWR.Bei gleichem Schub hat ein Aerospike-Triebwerk ein niedrigers TWR als ein herkömmliches Raketentriebwerk.
Zitat:Für die Höhen, in denen die Geschwindigkeit erreicht werden soll (zumindest gehe ich nach den öffentlich verfügbaren Informationen davon aus), ist die Hitzebelastung gar keine so große Herausforderung beispielsweise im Vergleich zum Wiedereintritt aus dem Orbit.Ja? Aber das Ding wird eh nie den Orbit erreichen. Ein Parabelflug in große Höhen und dann ein rascher Rücksturz zur Erde ist etwas völlig anderes als ein Wiedereintritt aus einer Orbitalbahn.
Zitat:Ein relevanter Faktor bleibt das natürlich, aber keine unlösbare Aufgabe.Es ist die ungelöste Herausforderung schlechthin. Ein wie auch immer geartetes Raketentriebwerk an einen Flugkörper zu hängen ist keine große Kunst. Aber es hat seinen Grund warum einsatzfähige Hyperschallwaffen so schwierig zu entwickeln sind, das Shuttle eine technologische Sackgasse war, die Air Force nie einen Mach 10 Aufklärer geflogen hat und SpaceX trotz großmundiger Versprechen wieder dabei ist Hitzeschutzkacheln auf ihren Edelstahlrumpf zu kleben.
Zitat:Gegenüber bestehenden Lösungen ist der einzige Vorteil des Konzepts von Dawn Aerospace, dass das Fluggerät theoretisch von jedem Flughafen aus operieren kann. Praktisch wird das Aufgrund des Antriebssystems und des Flugbereichs wieder deutlich eingeschränkt. Darüber hinaus handelt es sich doch einfach nur um eine konventionelle, wiederverwendbare Rakete, die aufgrund der zusätzlichen aerodynamischen Strukturen schwerer sein wird als eine klassische Hauptstufe. Natürlich ist es einfacher, so etwas zu konstruieren, aber du sagst es selbst: abgesehen von der vermeintlichen Flexibilität lassen sich diese Fähigkeiten auch nochmal einfacher mit etablierter, wiederverwendbarer Raketentechnik umsetzen. Und bei einem luftgestarteten System sogar ohne Verzicht auf diese Form der Flexibilität.Alle Kritikpunkte die du hier gegen Dawn Aerospace anbringst (und IMO korrekt sind) gelten für Polaris ganz genauso.
Gerade deshalb sind die Aerospike-Triebwerke für das Konzept von Polaris auch so relevant, genauso wie die Kombination mit Turbofans. So kann das Fluggerät wie ein klassisches Flugzeug betrieben werden und ist dadurch tatsächlich auch praktisch in der Lage, wesentlich flexibler zu operieren.
Zitat:Zudem ist der Flugbereich wesentlich größer, nicht nur gegen eine wiederverwendbare Hauptstufe, sondern eben auch gegen rein raketengetriebene Raumflugzeuge.Höchstens marginal höher. Die Treibstofftzuladung für die Turbojets wird so bemessen sein, dass es gerade ausreichend ist um das Ding in das für die Zündung der Raketentriebwerke vorgesehe Flugprofil zu bekommen. Sprich Launch und Clim auf 40k ft und Beschleunigung auf Mach 2+. Plus für die Rückkehr dann eine kleine Reserve für die Landung. Alles andere würde nur zu massiven Einschnitten in der Nutzlast führen. Da ist nichts mit "wir fliegen erstmal 1000km downrange, da ist der Orbit schöner".
Zitat:Wo ich zustimme, aktuell fällt es mir schwer mir so ein SSTO vorzustellen. Allerdings halte ich das als Ziel auch nicht für so relevant, es ist eine nette Vision, und davon lebt die Raumfahrt seit jeher. Ich sehe das Projekt aktuell eher als ausgelagertes Forschungsprogramm des DLR, und halte die öffentliche Förderung für zwingend notwendig, gerade weil die Strukturen hier in Europa sind wie sie sind.Angesichts der Umwälzungen vor denen die Raumfahrt unmittelbar steht ist es halt eine Forschung ins Nichts. Nimm den Elon und wiederverwendbare Raketen aus der Gleichung und ich wäre der erste der Grundlagenforschung für SSTOs fordert. Habe ich lange Zeit auch tatsächlich gemacht. Aber die Zeiten ändern sich VTVL TSTO Rockets sind der bessere Weg und stehen unmittelbar vor Marktreife.
(29.01.2026, 10:00)Nightwatch schrieb: [ -> ]Das Ding wird nie wirtschaftlicher zu betreiben sein als eine wiederverwendbare VTVL Rakete und wird on the ground zwar keine spezielle Startrampe aber mehr als genügend spezielle Service-Infrastruktur benötigen, dass man es nicht nach Belieben aus Buxtehude wird betreiben können.
Zitat:Bei gleichem Schub hat ein Aerospike-Triebwerk ein niedrigers TWR als ein herkömmliches Raketentriebwerk.
Zitat:Ja es gibt andere Ansätze. In deren Erforschung multiple Aerospace Firmen seit Jahr und Tag Milliardenbeträge investieren. Unwahrscheinlich, dass ein 60 Mann Startup da den heiligen Gral finden wird. Ein paar schöne Buzzwords reichen dafür leider nicht aus.
Zitat:Alle Kritikpunkte die du hier gegen Dawn Aerospace anbringst (und IMO korrekt sind) gelten für Polaris ganz genauso.
Zitat:Der Umstand, dass Polaris zusätzlich zum Aerospike-Triebwerk noch auf Turbojets setzt bedeutet nicht, dass es im Betrieb flexibler ist als ein Fluggerät mit reinem Raketenantrieb. Das Aerospike Raketentriebwerk bennötigt genauso Ground Support wird das konventionelle Raketentriebwerk. Das nimmt sich nichts. Nur das du bei Polaris dich halt auch noch um die Turbojets kümmern musst.
Zitat:Die Treibstofftzuladung für die Turbojets wird so bemessen sein, dass es gerade ausreichend ist um das Ding in das für die Zündung der Raketentriebwerke vorgesehe Flugprofil zu bekommen. Sprich Launch und Clim auf 40k ft und Beschleunigung auf Mach 2+. Plus für die Rückkehr dann eine kleine Reserve für die Landung. Alles andere würde nur zu massiven Einschnitten in der Nutzlast führen. Da ist nichts mit "wir fliegen erstmal 1000km downrange, da ist der Orbit schöner".

Zitat:Angesichts der Umwälzungen vor denen die Raumfahrt unmittelbar steht ist es halt eine Forschung ins Nichts.
Zitat:Ich glaube nicht, dass es um eine höhere Wirtschaftlichkeit im Sinne der niedrigsten Startkosten geht. Meines Erachtens liegt der Fokus ganz klar auf die Flexibilität, und es bleibt abzuwarten, wie die notwendige Infrastruktur tatsächlich aussieht.Diese Flexibilität wird sich nicht materialisieren. Das Fluggerät wird zwar von jeder Startbahn starten können, aber spezialisiertes Supportequipment am Boden benötigen. Realistischerweise würde man zwei, drei Basen dafür herrichten und das wäre es dann. Das ist dann auch nicht flexibler als multiple Startanlagen für Raketen.
Zitat:Das ist schon in der üblichen Verwendung (also auf das Triebwerk heruntergebrochen) weder zwingend so, noch stimmt es in der Gesamtbetrachtung bei den wenigen gut dokumentierten Testtriebwerken.Das ist aber so. Aerospike Triebwerke sind effizienter, haben aber geringere TWR als konventionelle Raketentriebwerke.
Zitat:Das ist aber kein Projekt eines 60 Mann Startups, sondern eine DLR-Ausgliederung, an der bereits seit über 10 Jahren gearbeitet wird und für das immer noch eine Forschungskooperation besteht.Ja was meinst du denn, was die US-Rüstungsindustrie für Kooperationen mit US-Universitäten hat? Auf welchen unfassbaren Wissensschatz die über staatliche Institute zurückgreifen können? Das ist doch kein Argument.
Zitat:Sie können nicht für Polaris genauso gelten, weil es ein anderes Konzept ist.Der einzige Unterschied ist, dass Polaris zusätzlich noch Turbojets für den Start und Rückflug nutzt während der Dawn Aurora gleich am Start weg das Raketentriebwerk zündet. Ob man dann mit Aerospike oder eben dem Raketentriebwerk in einen Parabelflug geht mach konzeptionell keinen Unterschied.
Zitat:Mit einem reinen Raketenflugzeug machst du keine Überführungsflüge vor oder nach einer Mission, du kannst keinen Streckenflug nach einer Mission absolvieren, du wirst auch nicht viele Flughäfen finden, die einen Start überhaupt ermöglichen. Wie man das jeweils bewertet ist etwas anderes, aber selbstverständlich ist die Flexibilität durch die Turbofans deutlich höher.Grundsätzlich ist auch ein Überführungsflüge mit Raketentriebwerk denkbar Aber wenn nicht packst du das Ding halt in eine Transportmaschine. Du musst eh den ganzen Ground Support Laden mitnehmen wenn du flexibel bleiben willst.
Zitat: Letztlich entspricht genau das der ursprünglichen Planung, weniger die 1000 km vor dem Aufstieg, aber durchaus jene nach dem Abstieg. Und die Rückverlegung bzw. weltweite Verlegung "auf eigenen Flügeln". Und jetzt kommt der nächste Punkt, über den du dich aufregen kannst: es ist sogar Luftbetankung vorgesehen, durchaus auch Missionsintern.Es gibt keine Planung. Es gibt eine Website die einfach ein paar High in the Sky Konzepte in die Welt setzt. Das Ding wird als eierlegende Wollmilchsau befähigt zu jeder denkbaren High&Fast Nischenfähigkeit beworben.
Zitat:Das sehe ich wie gesagt nicht so, allerdings rückt bei mir auch das Triebwerk selbst mehr in den Vordergrund. Ich sehe durchaus gerade einen militärischen Nutzen in einem solchen Fluggerät, vor allem aber sehe ich militärische Einsatzmöglichkeiten für einen solchen Antrieb.Ok, und welcher militärischer Usecase benötigt zwingend ein Aerospike Triebwerk anstatt eines konventionellen Designs?
(29.01.2026, 22:34)Nightwatch schrieb: [ -> ]Das ist aber so.
Zitat:Aber was wollen wir hier überhaupt diskutieren?
Zitat:Ja was meinst du denn, was die US-Rüstungsindustrie für Kooperationen mit US-Universitäten hat? Auf welchen unfassbaren Wissensschatz die über staatliche Institute zurückgreifen können? Das ist doch kein Argument.
Zitat:Der einzige Unterschied ist, dass Polaris zusätzlich noch Turbojets für den Start und Rückflug nutzt während der Dawn Aurora gleich am Start weg das Raketentriebwerk zündet.
Zitat:Aber wenn nicht packst du das Ding halt in eine Transportmaschine.
Zitat:Es gibt keine Planung.
Zitat: Ernsthaft, du hast im Bereich von Raketentriebwerken bei der Materialauswahl eine Spannbreite von 200 bis 300% hinsichtlich des Gewichts, und das ist nicht nur abhängig von der Haltbarkeit, sondern auch von den jeweiligen Kosten. Aus dem Grund sind wiederverwendbare Triebwerke (im Sinne von "mehreren Flügen") auch nicht einfach ableitbar aus den realen Zahlen, aber zumindest bieten letztere einen Anhaltspunkt:Meine Aussage bezog setzt logischerweise ein ‚everything else being equal‘ voraus. Das eine optimierte Aerospike-Variante der nicht optimierten Basisvariante überlegen ist mag sein, ist aber im Bezug auf meine Aussage kein Argument.
J-2J-2 ist die klassische Version, J-2SL die SL-optimierte Version als Triebwerk der Hauptstufe der Saturn II, J-2T-250k ist die von der J-2 abgeleitete Aerospike-Version. Die damaligen Zahlen zeigen, dass bei gleichem Kern ein jeweils optimiertes Triebwerk ein besseres TWR als die Aerospike-Variante aufweist, diese aber ein besseres TWR gegenüber unoptimierte Versionen zeigt.
Zitat: Da das TWR für sich genommen nicht viel bringt, muss es mit der Effizienz verschnitten werden. Daraus ergeben sich die tatsächlichen Vorteile.Eben nicht wenn es um SSTOs geht, was die Grundlage dieser Diskussion ist. Für SSTOs ist ein hohes TWR entscheidend, weil sie im Gegensatz zu konventionellen, mehrstufigen Raketen halt keinen quasi Ballast abwerfen und ihre gesamte Masse vom Start bis in den Orbit mitnehmen müssen.
Zitat: Übrigens haben sich die Werte zumindest in der Theorie beim RS-2200 gegenüber dem modifizierten SSME zugunsten des Aerospike verbessert und auch im Vakuum angeglichen. Es gilt außerdem festzuhalten, dass bspw. DEAN zeigt, wie Aerospike weiter optimiert werden kann um tatsächlich ein besseres TWR über den gesamten Bereich zu erzielen - zu Lasten der Komplexität und Materialkosten. Wobei zumindest letzteres dann von der Wiederverwendbarkeit abhängt.Ich sehe die grundsätzliche Logik deiner Argumentation weiterhin hin nicht. Die XRS-2200 wurde aus dem J-2 Triebwerk entwickelt. Die RS-25 SSME ist ein eigenständiges Triebwerk das separat für einen ganz anderes Raumfahrzeug entwickelt wurde. Genausogut könntest du das Ding mit der einer Raptor, Merlin oder BE-4 vergleichen. Ableiten lässt sich daraus nichts.
Zitat:Du willst offenbar immer wieder auf das SSTO hinaus, aber dem habe ich bereits (noch bevor du überhaupt hier in den Strang gekommen bist) eine Absage erteilt. Ich würde das erstmal ausklammern, weder ist das aktuelle Konzept dafür geeignet, noch ist dies irgendein kurz- oder mittelfristiges Ziel der Entwicklung. Irgendwann mal, mit irgendeinem Nachfolger - der Rest ist Marketing.Ich will garnix, die Firma bewirbt sich mit diesem undurchführbaren Konzept. Es ist schön wenn wir uns einig sind, dass dieser Ansatz nicht funktionieren kann wenn man Aerospikes mit zusätzlichen Turbojets kombiniert.
Zitat:Es soll nur zeigen, dass dein Pseudoargument (das sowieso nur aus Spott besteht, aber keinen Inhalt besitzt), falsch und irrelevant ist.Es ist kein Pseudoargument wenn man hervorhebt, dass ein 60 Mann Startup mit 12 Millionen Budget nicht die Ressourcen hat um eine eierlegende Wollmilchsau mit Mach 10, 100km Flughöhe, 10t Nutzlast und hauseigenen unbemannten Tankersupport mit Weiterentwicklungspotential zum vollwertigen SSTO zu entwickeln. Das ist einfach eine Tatsache.
Zitat: Die geplante Version sollte dafür zu groß sein, und sie auf einer anderen Maschine zu transportieren erfordert nochmals mehr Aufwand. Aber wie ich bereits gesagt habe, abseits vom Triebwerk lebt dieses Projekt von der Flexibilität gerade auch wenn es um militärische Aufträge geht, insofern sehe ich dort eine große Herausforderung, denn das muss mit minimaler Bodenunterstützung funktionieren, ansonsten ist es den Aufwand nicht wert. Im Gegensatz zu dir bin ich nur der Ansicht, dass das funktionieren kann.Zu groß für eine A400M vielleicht. Zudem musst du dir eh eine Transportmöglichkeit überlegen wenn dir das Ding voll flexibel mit Triebwerksschaden in Buxtehude auf der Landebahn steht.
Zitat:Wenn du die vorhandenen Planungen dahingehend ignorierst bzw. sie argumentlos negierst erübrigt sich die weitere Diskussion.Welche Planungen denn? Ich sehe eine Website die das Blaue vom Himmel verspricht, ein Konzept aus dem rien physikalisch nie ein SSTO werden wird, keinen relevanten militärischen UseCase und eine Firma die mit ein paar Dutzend Entwicklern und Mini-Budget schwarz lackierte Versuchsflugzeuge baut, von denen die Hälfte - mit was auch immer electric ducted fans sein sollen - nichts mit dem eigentlich beworbenen Zielen zu tun hat. Aber immerhin haben sie ein revolutionäres Triebwerk. Dass bisher mit 900N Schub für 3 Sekunden geflogen ist. Skalierung wird kein Problem sein.
(30.01.2026, 10:53)Nightwatch schrieb: [ -> ]Meine Aussage bezog setzt logischerweise ein ‚everything else being equal‘ voraus. Das eine optimierte Aerospike-Variante der nicht optimierten Basisvariante überlegen ist mag sein, ist aber im Bezug auf meine Aussage kein Argument.
Du schreibst selbst, dass bei gleichwertig optimierten Triebwerken das konventionelle Triebwerk überlegen sind.
Zitat:Eben nicht wenn es um SSTOs geht, was die Grundlage dieser Diskussion ist.
Zitat:Im Prinzip schriebst du, das unterschiedliche Triebwerke mit unterschiedlichen Designzielen aus unterschiedlichen Entwicklungsgenerationen unterschiedliche und teilweise bessere Leistungsdaten haben. Das ist völlig richtig, aber eine Nullaussage.

Zitat:Welche Planungen denn?
Zitat:Woher nimmst du den Optimismus, dass daraus irgendwie mehr wird als ein Experimentalflugzeug ohne Zukunft?
Zitat:Dann hast du mich missverstanden, oder ich habe das nicht klar ausgedrückt: die Aerospike-Version ist immer die gleiche und eben gerade nicht optimiert (wobei das in einem Maße wie bei den klassischen Düsen auch nicht notwendig ist). Damit auf Basis dieses Vergleichs das konventionelles Triebwerk ein besseres TWR aufweisen kann, musste es hingegen optimiert sein und darf dann auch nur in diesem optimierten Bereich vergleichen werden.Das ist grundsätzlich richtig. Würde man das gleiche Konventionelle Triebwerk für alle Stufen einer Rakete verwenden wäre eine Aerospike Variante die bessere Lösung. Nur ist es ja der Vorteil konventioneller mehrstufiger Raketen, für jedes Flugregime ein extra optimiertes Triebwerk einzusetzen.
Zitat:Dann bin ich raus, denn meine Grundlage dieser Diskussion ist kein SSTO, die konkrete, "kurzfristige" Entwicklung von Polaris ist aktuell kein SSTO, und auch die Bundeswehr erwartet kein SSTO.Die Vision der Firma ist nun mal ein quasi-SSTO mit (nicht vorhandenen) Potential zum wirklichen SSTO. Faktisch bauen sie einen TSTO mit nicht wiederverwendbarer Oberstufe und Turbojets + Aerospikes als Startflugzeug.
Zitat:Beispielsweise die vom DLR ausgearbeitete Machbarkeitsstudien aus den Anfang 2010er Jahren, in denen die vorhergehenden, langjährigen (auch kooperativen) Forschungen zu den verschiedenen Themen kritisch geprüft wurden, um sie dann Zusammenzuführen und daraus ein Gesamtkonzept für genau den wiederverwendbaren Transporter zu schaffen, der nun konkret entwickelt werden soll.Ok? Ich bezweifle ja nicht, dass ein TSTO mit Aerospike grundsätzlich machbar ist. Aber viele Dinge sind technisch machbar. Das heißt aber nicht, dass es keine technisch deutlichen einfacheren Lösungen gäbe, das Ding dann einen militärischen UseCase oder einen Markt hat, die Firma in der Lage ist das Ding zu entwickeln oder ihre ganzen zusätzlichen Versprechungen umsetzbar sind.
Zitat:Weil ich ein optimistischer Mensch bin, weil ich die naive Hoffnung habe, dass Technologie die Welt zum Guten ändern und der Menschheit eine Zukunft bieten wird, auch weil meines Erachtens Missmut und Schwarzmalerei Hass und Hässlichkeit nur verstärken, und weil ich einfach nicht als ewig nörgelnder alter Sack enden will. Was ich konkret bewerten kann, bewerte ich realistisch, für was mir Wissen oder Verständnis fehlt, bewerte ich wohlwollend. Damit lag ich schon häufig falsch, aber das kalkuliere ich ein, es enttäuscht mich nicht. Wie bereits mehrfach gesagt, ich halte die Chance für gering, dass Polaris die durchaus ambitionierten Ziele erreicht, aber in meinen Augen lohnt sich der (in der Gesamtbetrachtung dann aktuell doch eher geringe) Aufwand.Come to the dark side, embrace the Elon.

(30.01.2026, 14:41)Nightwatch schrieb: [ -> ]Das ist grundsätzlich richtig. Würde man das gleiche Konventionelle Triebwerk für alle Stufen einer Rakete verwenden wäre eine Aerospike Variante die bessere Lösung. Nur ist es ja der Vorteil konventioneller mehrstufiger Raketen, für jedes Flugregime ein extra optimiertes Triebwerk einzusetzen.
Es kann dann auch in irgendeinem Szenario aufgrund diverser entwicklungspolitischer Sachzwänge so sein, dass das optimale verfügbare Triebwerk für eine Oberstufe einer konventionellen Rakete ein Aerospike ist. In der Realität war es anders herum, schlicht weil konventionelle, vakuumoptimierte Glockendüsen-Triebwerke eine risikolose massenbewusste Lösung versprechen.
Nur wie gesagt, wir schreiben hier eigentlich über einen potentiellen SSTO, nicht über eine Mehrstufenrakete. Das ist ein fundamental anderes Raumfahrzeug das ganz anderen Prämissen unterliegt.
Die Vision der Firma ist nun mal ein quasi-SSTO mit (nicht vorhandenen) Potential zum wirklichen SSTO. Faktisch bauen sie einen TSTO mit nicht wiederverwendbarer Oberstufe und Turbojets + Aerospikes als Startflugzeug.
Meine Position dazu ist, dass es a) für einen TSTO keine exotische Startplattform mit Aerospikes benötigt (tatsächlich reicht dafür ein Passagierjet!) und b) es physikalisch unmöglich ist einen SSTO mit einer Turbojet+Aerospike Kombo zu entwickeln.
Nichts was mir hier schreiben scheint mir ein stichhaltiges Argument gegen diese beiden Positionen zu sein. Stattdessen gleiten wir in Nebenkriegsschauplätze ab.
Ok? Ich bezweifle ja nicht, dass ein TSTO mit Aerospike grundsätzlich machbar ist. Aber viele Dinge sind technisch machbar. Das heißt aber nicht, dass es keine technisch deutlichen einfacheren Lösungen gäbe, das Ding dann einen militärischen UseCase oder einen Markt hat, die Firma in der Lage ist das Ding zu entwickeln oder ihre ganzen zusätzlichen Versprechungen umsetzbar sind.
Sagen wir es doch wie es ist. Die Herrschaften dort haben ein technisch interessantes Triebwerk gebastelt und werden damit gerader praller Bundeswehrkassen ein technisch interessantes Experimentalflugzeug kreieren in dem vma alles DLR Knowhow der letzten fünfzig Jahre steckt. Am Ende hat man dann einen Prototypen für den Porsche unter den TSTOs, während die Konkurrenz längst auf Flugtaxis in Form wiederverwendbarer VTVL Raketen umgestiegen ist.
Come to the dark side, embrace the Elon.
Ich bin auch kein Ingenieur, verfolge den Aerospace-Sektor aber dann doch interessiert genug um zwischen ambitionierten Zielen und übersteigerten Zweckoptimismus zu unterscheiden. In dem Sektor mit so einer Website aufzutreten muss man erst mal bringen. Übersteigt auf dem Niveau wo sie agieren Elons Marskolonien bei weitem.
Aber hey, funktioniert hat es bei der Bundeswehr ja, von daher lebt es sich damit wahrscheinlich sehr ungeniert.
(30.01.2026, 14:41)Nightwatch schrieb: [ -> ]Das ist grundsätzlich richtig. Würde man das gleiche Konventionelle Triebwerk für alle Stufen einer Rakete verwenden wäre eine Aerospike Variante die bessere Lösung. Nur ist es ja der Vorteil konventioneller mehrstufiger Raketen, für jedes Flugregime ein extra optimiertes Triebwerk einzusetzen.
Zitat:In der Realität war es anders herum, schlicht weil konventionelle, vakuumoptimierte Glockendüsen-Triebwerke eine risikolose massenbewusste Lösung versprechen.
Zitat:Die Vision der Firma ist nun mal ein quasi-SSTO mit (nicht vorhandenen) Potential zum wirklichen SSTO. Faktisch bauen sie einen TSTO mit nicht wiederverwendbarer Oberstufe und Turbojets + Aerospikes als Startflugzeug.
Zitat:Meine Position dazu ist, dass es a) für einen TSTO keine exotische Startplattform mit Aerospikes benötigt (tatsächlich reicht dafür ein Passagierjet!) und b) es physikalisch unmöglich ist einen SSTO mit einer Turbojet+Aerospike Kombo zu entwickeln.
Zitat:Sagen wir es doch wie es ist. Die Herrschaften dort haben ein technisch interessantes Triebwerk gebastelt und werden damit gerader praller Bundeswehrkassen ein technisch interessantes Experimentalflugzeug kreieren in dem vma alles DLR Knowhow der letzten fünfzig Jahre steckt. Am Ende hat man dann einen Prototypen für den Porsche unter den TSTOs, während die Konkurrenz längst auf Flugtaxis in Form wiederverwendbarer VTVL Raketen umgestiegen ist.
Zitat:Come to the dark side, embrace the Elon.
Zitat:Aktuell ist letzteres das Ziel, ja. Und die zwei wirtschaftlichen Fragen, die sich stellen sind:Air Launched Satellites Systeme waren schon vor wiederverwendbaren Raketen eine Nische. Es gibt wirtschaftlich betrachtet keinen Sinn sich ein exotisches Startgerät vorzuhalten, dass sehr kleine und kompakte Nutzlasten in wahrscheinlich nur sehr überschaubare Orbitalhöhen verbringen kann, wenn man effektiv für die gleichen oder geringeren Kosten einen beliebig konfigurierten Satelliten in etwa einem Starship mitnehmen kann.
1) Kann eine wiederverwendbare Hauptstufe aus Turbofan (kein Turbojet übrigens) und Aerospike effizienter als eine wiederverwendbare Raketenstufe sein?
2) Kann der Flugbereich einer so angetriebenen Hauptstufe tatsächlich soweit nach oben erweitert werden, dass es signifikante Einsparungen bei der Oberstufe für den LEO gibt?
Beides muss in Kombination betrachtet werden.
Zitat:Zu a) gilt zu sagen, dass der potenzielle Passagierjet ein Ersatz für die Turbofans sein kann, aber nichts mit der Frage zu tun hat, ob nicht ein Aerospike-Triebwerk für den dann folgenden Aufstieg eine sinnvollere Wahl gegenüber einem klassischen Raketentriebwerk sein kann oder nicht. Und für b) gilt, dass das doch auch nicht das Ziel sein muss, nur weil die Konfiguration jetzt so aussieht. Ein späterer Verzicht auf die Turbofans dürfte das geringste Problem sein.Womöglich ist eine Kombination Passagierjet – große Oberstufe mit Aerospike ähnlich sinnvoll wie ein konventionelles Raketentrieb. Aber wozu das Ganze? Ob Aerospike oder konventionelles Triebwerk – die Leistungsdaten in dieser Kombination werden sich am Ende des Tages nicht um Größenordnungen unterscheiden und gegenüber konventionellen Raketen immer zurückfallen. Es bleibt dabei: die Entwicklung dieses Aerospike Triebwerks mag technisch faszinierend sein, ist in der Anwendung dann aber schlicht nicht notwendig.
Zitat:Unternehmerisch wird die Firma entweder scheitern oder auch nicht, die Erkenntnisse bleiben aber vorhanden und reihen sich ein in die lange Liste der Ergebnisse von Experimenten, die uns technologisch mal mehr mal weniger weiter brachten. Und "die Konkurrenz" auf unternehmerischer Seite wird staatlich ebenso gefördert, niemand außer dem Unternehme selbst setzt sein Geld nur auf ein Pferd (wobei das ja auch das Unternehmen selbst nicht machen will, was mich mehr beunruhigt).
Zitat:Habe ich lang genug, bis er meinte, über die notwendige Industriepolitik hinaus auf geradezu groteske Art und Weise politisch aktiv werden zu müssen. Hätte er seine Energie mehr in seine technologischen Ideen gesteckt, wäre das für alle, für die Menschheit und für ihn selbst, besser gewesen. Genie und Wahnsinn halt. Bei einem Start des Starships wäre ich trotzdem gerne mal dabei, so wie früher bei den Falcons (die gute alte Zeit).Genie bekommt man eben nicht immer ohne Wahnsinn. Starship geht seinen Gang, egal ob Elon de Master Edgelord auf X gibt oder mal ne Regierungsbehörde schröpft. Wer sich da hineinsteigert sollte sich fragen, wie die Geschichte ihn einmal bewerten wird, wenn er mit Starship dahin kommt wo er hin will. Dann werden seine sonstigen Aktivitäten höchstens noch zur skurrilen Fußnote, wie schon bei so manchen Großen der Weltgeschichte.
(31.01.2026, 11:00)Nightwatch schrieb: [ -> ]Es sollten keine Steuermittel in die Entwicklung und Konstruktion von Raumfahrzeugen fließen, die am Markt und am militärischen Bedarf vorbei entwickelt werden. Auch dann nicht wenn dabei faszinierend nutzlose Technologien erforscht werden, die alsbald in irgendwelchen Archiven Staub ansetzen. Das ganze Vorhaben ist eine Verschwendung – von Steuergeld und auch des Talents und Expertise, die in diesem Projekt gebunden ist. Gäbe auch in diesem Sektor wichtigere Projekte als die Entwicklung eines Aeropsike TSTOs.
(31.01.2026, 13:06)Helios schrieb: [ -> ]Ich denke, die Diskussion bringt keinen weiteren Erkenntnisgewinn, die Standpunkte sind dargelegt, ich stimme dem zitierten nicht zu und habe kein Problem damit, dass dieses Projekt auch mit meinen Steuergeldern finanziert wird.